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Durchschnittsverdienst: Frauen verdienen 23 Prozent weniger

zuletzt aktualisiert: 23.02.2009 - 14:51

Berlin (RPO). Die Ungleichheit bei der Bezahlung von Frauen und Männern ist in Deutschland nach Angaben der EU-Kommission europaweit besonders groß. Laut EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla betrug die Differenz des Stundenlohns von Frauen und Männern 23 Prozent; 2007 waren es 22 Prozent.

"Damit gehört Deutschland nach wie vor zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Männern und Frauen", sagte Spidla im Gespräch mit der Tageszeitung "Die Welt".

Auch innerhalb der Europäischen Union liegt die Bundesrepublik mit diesem Lohngefälle weit hinten. Nach Angaben des EU-Kommissars und ehemaligen tschechischen Ministerpräsidenten sind die Unterschiede nur in Österreich, den Niederlanden, Zypern, Tschechien und Estland noch größer. Mit den 23 Prozent Lohngefälle übertrifft Deutschland auch klar den Durchschnitt aller Mitgliedstaaten der Union von 17,4 Prozent.

Info

Infos zum "Equal Pay Day" unter www.equalpayday.de

Spidla wies jedoch darauf hin, dass es dabei nicht nur um die unterschiedliche Bezahlung für gleiche Arbeit gehe. Ein wichtiger Grund für die Ungleichheit sei vielmehr auch die hohe Teilzeitquote von Frauen. Die wiederum führen der Deutsche Frauenrat und die Gewerkschaften ebenfalls stark auf Benachteiligungen zurück und fordern gesellschafts- und familienpolitische Konsequenzen. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Christel Humme nannte die neuen Zahlen einen gesellschaftlichen Skandal und forderte auch gesetzliche Schlussfolgerungen.

Frauen meist besser ausgebildet

Der EU-Kommissar appellierte an die Arbeitgeber, das Prinzip "Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit" auch wirklich anzuwenden und qualifizierten Frauen den Zugang zu Führungspositionen zu ermöglichen. Gerade in Krisenzeiten sei es für Unternehmen wichtig, das Potenzial von Frauen zu nutzen, schließlich verfügten sie im EU-Durchschnitt über eine bessere Ausbildung als Männer.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Bettina Schleicher, nannte es im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP sehr bedauerlich, dass sich die Statistik nicht verbessere. Dramatisch sei dies nicht nur für die Frauen selbst, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland: "Man kann doch gut ausgebildeten jungen Frauen nicht empfehlen, ins Ausland zu gehen, wenn sie Karriere machen wollen."

Die Hauptursache sieht sie nach wie vor in tradierten Rollenklischees, wonach sich Frauen erst einmal um die Familie kümmern sollten und im Beruf eher nur als Hinzuverdiener angesehen werden. Immer noch würden berufstätige Frauen mit Kindern als "Rabenmütter" verunglimpft. Wenn Frauen aus familiären Gründen aber einmal drei Jahre aussetzten, bekämen sie danach in der Regel nur noch schlechtere Positionen oder Teilzeitjobs. Und fehlende Berufszeiten holten die Betroffenen kaum mehr auf - mit allen Folgen wie Altersarmut und entsprechende Belastung der Sozialsysteme.

"Equal Pay Day" im März

Auch in Führungspositionen seien Frauen in Deutschland stark unterrepräsentiert. Die 49-jährige Schleicher weiß, wovon sie spricht, denn als erfolgreiche Wirtschaftsanwältin in Berlin ist sie häufig als Frau noch immer allein auf weiter Flur. Sehr positiv findet sie, dass der Siemens-Konzern erklärt hat, dass seine Führung weiblicher werden müsse. "In Norwegen ist sogar gesetzlich festgelegt, dass mindestens 40 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder Frauen sein müssen", berichtet Schleicher.

Zum zweiten Mal haben Frauenrat, Gewerkschaften und auch der Arbeitgeberverband in diesem Jahr einen "Equal Pay Day" (Tag der gleichen Bezahlung) ausgerufen. Dazu sind am 20. März bundesweit 70 Aktionen geplant. Das Datum ist kein Zufall: Bis zu diesem Tag müssten Frauen im Durchschnitt über den 31. Dezember hinaus weiter arbeiten, wenn sie den gleichen Jahresverdienst wie die Männer erzielen wollten.

Quelle: AP

 
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