Tipps zum richtigen Umgang: Freundschaften im Job: Fluch oder Segen?
VON SIMONE JANSON - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010 - 10:27Düsseldorf (RP). Freundschaften am Arbeitsplatz werden in Deutschland nach wie vor mit gemischten Gefühlen gesehen: Einerseits zeigen Studien, dass die Zusammenarbeit mit Freunden gut fürs Arbeitsklima ist und produktiver macht. Andererseits wird die Vermischung von Berufs- und Privatleben mit viel Skepsis begleitet – nicht immer zu Unrecht.
Das Gallup-Institut etwa hat bei seiner Befragung von rund fünf Millionen Beschäftigten herausgefunden, dass 30 Prozent der Angestellten einen sogenannten besten Freund im Büro haben. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 56 Prozent, ist voll engagiert bei der Arbeit. Von den übrigen 70 Prozent waren nur acht Prozent begeistert von ihrem Job, 63 Prozent machen Dienst nach Vorschrift und 29 Prozent fielen sogar durch negative Äußerungen über ihren Job auf. Und eine Untersuchung an der amerikanischen Columbia Universität zeigte, dass Kollegen, die sich untereinander mochten und sich gegenseitig halfen, wesentlich produktiver waren als jene, die sich stur dem Job widmeten.
Der Zusammenhang zwischen freundschaftlichen Gefühlen, Arbeitsklima und Leistungssteigerung ist evident: Wer sich mit seinen Kollegen gut versteht, hat mehr Spaß und ist dadurch produktiver. Dennoch ist manchmal Vorsicht geboten – denn Freunde kann man sich aussuchen, Kollegen nicht. Sobald sich Beziehungs- und Sachebene miteinander vermischen, können Konflikte entstehen.
Problematisch wird es beispielsweise dann, wenn der eine mehr will als ein kollegiales Verhältnis, der andere aber nicht. Oder wenn der Schreibtischnachbar gerne auch pikante Details aus seinem Privatleben erzählt, die man lieber nicht hören würde. Da sich die meisten Menschen einen möglichst harmonischen Berufsalltag wünschen, sind sie unsicher, ob sie solche Kollegen dann in die Schranken weisen können.
Problemfaktor Neid
Ein anderes Problem ist Neid, der entsteht, wenn von befreundeten Kollegen plötzlich einer Karriere macht – und der andere nicht. Oder wenn private Informationen missbraucht werden, um sich einen beruflichen Vorteil zu verschaffen.
Je nach Intensität der Beziehung sollte man solche negativen Gefühle auch ansprechen, denn bis zu einem gewissen Grad ist so ein Verhalten normal. Bei einer normalen Arbeitsbeziehung reicht dagegen ein sachliches Gespräch über die neue Situation.
Umgekehrt ist es aber nicht sinnvoll, Privatleben und Berufsalltag strikt zu trennen. Davon abgesehen, dass das heute immer seltener möglich ist, kann man Konflikten auf Dauer kaum aus dem Weg gehen. Im Gegenteil, wer dauerhaft private Kontakte vermeidet, gilt bald als unsympathisch und grenzt sich aus, was auf Dauer auch der Karriere schadet.
Und noch einen Aspekt gilt es zu beachten: Man hat heute durch die flexiblen Arbeitsformen sowie häufige Standort- und Arbeitsplatzwechsel immer weniger Gelegenheit, intensive private Beziehungen außerhalb des Berufes zu knüpfen und zu pflegen. Außerdem redet man zwangsläufig mehr über das, womit man seinen Tag zubringt, die Arbeit. Wer da keinen Ausgleich schafft, bekommt bei einem Arbeitsplatzverlust große Probleme.
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