Was Du heute kannst besorgen: Haben Sie auch Aufschieberitis?
VON SIMONE JANSON - zuletzt aktualisiert: 25.03.2008 - 08:54Düsseldorf (RPO). Das Telefonat mit dem Kunden, der sich beschweren will und um Rückruf bittet – morgen. Und die Steuererklärung hat auch noch bis nächste Woche Zeit. So denken viele Menschen. Nicht immer ist der Hang zur „Aufschieberitis“ nur eine kurzzeitige Unlust, die schon wieder vorbei gehen wird – manchmal steckt mehr dahinter.
Die Gründe für das Aufschieben sind ganz unterschiedlich: Den einen fehlt es tatsächlich an Motivation, weil die Arbeit stupide und langweilig ist. Oder weil die damit verbundenen Erfolge zu weit entfernt liegen. Aber es kommt auch vor, dass sie den Sinn einer Aufgabe nicht einsehen, zum Beispiel auch, weil ihnen wichtige Informationen fehlen.
Andere Menschen können einfach nicht gut organisieren: Sie schaffen es nicht, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und lassen sich durch jede Kleinigkeit von ihrer Arbeit abhalten. Oder sie setzen sich ihre Deadline immer viel zu knapp, weil sie meinen, dass sie das schon schaffen werden.
Angst vor der Aufgabe
Und eine dritte Gruppe schließlich hat regelrecht Angst vor ihrer Aufgabe, weil sie viel zu hohe Ansprüche an sich selbst hat. Perfektionistisch erwarten diese Menschen von sich, stets Höchstleistungen zu bringen und setzen Erfolg mit Selbstwert gleich. Dadurch wird die Arbeit allmählich zum unüberwindbaren Berg, der mit jedem Aufschub noch anwächst.
Unbestritten, Dinge nicht immer sofort zu erledigen, hat auch Vorteile: Manchmal schafft man es auf diese Weise, unangenehmen Dingen aus dem Weg zu gehen, weil sich diese von selbst erledigen. In einigen Fällen ist es besser, noch weitere Informationen zu sammeln, bevor man aktiv wird. Und gelegentlich ist es sogar besser, bestimmte Entscheidungen nicht zu treffen, weil sie sich im Nachhinein herausstellt, dass sie falsch gewesen wäre.
Doch Aufschieberitis hat viele Nachteile: „Ich bin nicht fertig geworden, weil ich zu wenig Zeit hatte“ ist keine besonders gute Ausrede, wenn man lieber etwas vor sich hergeschoben hat, statt es sofort zu erledigen. Schnell gelten Menschen, die lieber vermeiden als zu handeln, bei Chefs und Kollegen als unzuverlässig und unorganisiert. Und auch der Aufschieber selbst schafft bald nicht mehr, was er sich vorgenommen hat und verliert dadurch an Selbstvertrauen. Keine guten Voraussetzungen für die Karriere.
Jeder Fünfte ist betroffen
Dabei sind sich viele „Aufschieber“ durchaus im Klaren darüber, dass ihr Verhalten sich langfristig nachteilig auswirkt. Meist allerdings wirkt die Macht der Gewohnheit: Verhaltensweisen, die man sich jahrelang angewöhnt hat, lassen sich nicht von heute auf morgen abstellen. Und einen Fachbegriff gibt es für dieses Phänomen auch schon: Prokrastination. Weltweit ist jeder fünfte betroffen, so haben deutsche und amerikanische Psychologen herausgefunden.
Chronische Prokrastination kann sogar zum ernsten Problem werden: Man nimmt sich immer wieder vor, die unangenehmen Aufgaben zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erledigen und lässt diesen Moment dann wieder verstreichen. Dadurch wachsen Angst, Scham und Druck an und verhindern wiederum, dass man aktiv wird. Ein Teufelskreis! Wenn Selbstüberwindung, Routine und gute Tricks nicht mehr ausreichen, um da herauszukommen, sollte man sich psychologische Unterstützung suchen.
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