Stressbewältigung: Immer mehr Frauen greifen zur Flasche
zuletzt aktualisiert: 18.02.2011 - 12:35Düsseldorf (RPO). Die Beine auf das Sofa legen, eine gute Flasche Wein öffnen und dabei den stressigen Arbeitsalltag vergessen. Immer mehr berufstätige Frauen greifen zum Alkohol um sich zu entspannen. Dabei sind besonders hoch qualifizierte Arbeitnehmerinnen gefährdet.
Ein Sekt im Büro oder ein Glas Wein zum Feierabend genießen. Für viele gilt das als selbstverständlich. Immer häufiger sind es nach Einschätzung von Wissenschaftlern der Universität Hannover Frauen, die zum Glas greifen. Gefährdet seien nicht zuletzt hoch qualifizierte Arbeitnehmerinnen, die im Job unter besonderem Druck stehen und dann das Gefühl haben, abends "ein Glas" zu brauchen. Häufig unterschätzten sie allerdings die Gefahr, die auch mit einem vergleichsweise geringen Alkoholkonsum verbunden ist.
Alkoholkonsum nimmt mit steigender Qualifikation zu
Bereits frühere Studien zeigten, dass qualifizierte Arbeitnehmer eher zu Alkohol greifen. Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts zum Beispiel ermittelte einen Anteil von Frauen mit "moderatem Alkoholkonsum" in der Unterschicht von 11, in der Mittelschicht von 14,4 und in der Oberschicht von 20,1 Prozent. Eine repräsentative Untersuchung unter Verwaltungsangestellten in London habe ergeben, dass Alkoholkonsum bei Frauen mit steigender Qualifikation zunimmt, sagte Anja Wartmann, die in Hannover an der Studie "Riskanter Alkoholkonsum bei weiblichen Fach- und Führungskräften" mitarbeitet.
Oft sei den Frauen nicht bewusst, dass auch Mengen, die ihnen gering vorkommen, schon gesundheitsgefährdend sein können, sagte Wartmann. Hinzu komme, dass aus dem "einen Glas am Abend" manchmal eine halbe Flasche werde: "Die Schwelle für riskanten Alkoholkonsum ist dann schnell überschritten." Eine Ursache für erhöhten Alkoholkonsum sei Stress. Viele Frauen, die beruflich stark gefordert sind, stünden gleichzeitig durch familiäre Pflichten unter Druck. Zu der psychosozialen Belastung am Arbeitsplatz komme zusätzlich der zu Hause.
Das Glas Wein als Feierabendritual
"Der Alkoholokonsum wird funktionalisiert", erläuterte Wartmann. "Frauen trinken oft abends, wenn alles fertig ist und die Kinder im Bett sind. Das Trinken ist ein Feierabendsymbol und wird zum Ritual." Das mache es schwerer, dieses Verhalten schnell zu ändern. Typisch sei, dass Frauen nicht öffentlich trinken - so wie Männer in der Kneipe -, sondern allein zu Hause. Das regelmäßige Glas Wein zur Entspannung bleibe so völlig unbemerkt.
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