Arbeitsmarkt: In diesen Branchen gibt es Jobs
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009 - 16:35Düsseldorf (RPO). Von Monat zu Monat steigt die Zahl der Arbeitslosen. Auch im Juni, wenngleich nicht so stark wie befürchtet. Spätestens ab Herbst aber wird es zappenduster. Die Kurzarbeit läuft aus. Experten rechnen mit über vier Millionen Menschen ohne Job. Doch einige Branchen haben ganz andere Probleme. Sie suchen zum Teil händeringend Arbeitskräfte. Fast eine halbe Million Stellen sind unbesetzt.
Der große Sturm auf dem deutschen Arbeitsmarkt – noch bleibt er aus. Die Arbeitslosenzahl für den Juni 09 fiel nicht so dramatisch hoch aus wie die Experten erwartet hatten. Zwar macht sich die wirtschaftliche Talfahrt auf dem deutschen Job-Markt immer stärker bemerkbar. Doch statt der kalkulierten 100.000 waren es im Vergleich zum Vormonat „nur“ 52.000 mehr. Ohne die Änderungen in der statistischen Zählweise zum 1. Mai hätte der Anstieg allerdings 82.000 betragen.
Folge: In Deutschland sind derzeit 3,462 Millionen Menschen ohne Job. Die Quote liegt bei 8,2 Prozent. Gemessen an den Prognosen für das kommende Jahr sind das noch komfortable Zustände. Ab September / Oktober soll es ungemütlich werden. "Für den Arbeitsmarkt gilt ganz klar, dass die Belastung steigen wird", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Seine Prognose: Im kommenden Jahr sind 4,5 Millionen ohne Arbeit.
Fast eine halbe Million offene Stellen
Etliche Branchen schrumpfen angesichts der Einbrüche in den Auftragsbüchern. Betroffen sind die Industrie, das verarbeitende Gewerbe, Logistik.Unternehmen und über alle Branchen hinweg Zeitarbeit. Doch nach wie vor gibt es Branchen, die Arbeitskräfte suchen. In Zahlen sind es beeindruckende 484.000 offene Stellen, die die Bundesagentur registriert hat.
Insbesondere fünf Branchen sind auf der Suche nach Arbeitskräften, erklärt Anja Huth von der Bundesagentur für Arbeit im Gespräch mit unserer Redaktion.
1. Erziehung und Unterricht Allein 22.000 Kindergärtner und Sozialarbeiter werden gesucht. Hinzu kommen zahlreiche frei werdende Lehrerstellen. Viele altgediente Kräfte erreichen in diesen Jahren das Pensionsalter, erläutert Huth. Hinzu kommen politische Vorgaben: die Betreuungsdichte in den Kindergärten soll massiv erhöht werden. Bildung - einer der größten Job-Motoren der Zukunft.
2. Gesundheit Die Branche umfasst nicht nur das klassische Spektrum an medizinischer Pflege im Krankenhaus oder beim Arzt. Hinzu kommen Boom-Sparten wie der ganze Wellnessbereich, Massagen, Körperpflege. Die Signale in diesen Bereichen stehen in unserer Gesellschaft klar auf Wachstum. Die Deutschen werden immer gesundheits- und körperbewusster. Die Folge: 20.000 Stellen für Krankenschwestern, Sprechstundenhilfen und Masseure, einem Nachfrageplus im Vergleich zu 2008 von stolzen 17 Prozent.
3. Sozialwesen Auch die demographische Entwicklung wirft nach Erkenntnissen der BA ihre Schatten voraus. Das schlägt sich vor allem in der Betreuung von Senioren nieder. Sie bleibt ein stark wachsender Markt, ob im Pflegeheim, ambulant oder ergänzenden Zusatzangeboten wie Therapie und Beschäftigung. Die Nachfrage ist im Vergleich zum Vorjahr drastisch gestiegen, die BA vermeldet bei Altenpflegern, Erzieherinnen und Sozialarbeitern einen Zuwachs von 45 Prozent.
4. Gastgewerbe Köche, Kellner und Gastwirte bleiben gefragt, besonders zur Winter- oder Sommersaison. 22.000 offene Stellen, zählte die BA im Juni bundesweit. "Die Deutschen gehen öfter aus", weiß BA-Sprecherin Huth. Es werde vermehrt gut und gerne gegessen. Schon seit längerem zeichne sich diese Entwicklung ab, die sich nach Beobachtungen der Arbeitsagentur auch beim Nachwuchs widerspiegelt: Immer mehr Jugendliche wollen Koch werden, heißt es. Nach Ansicht von Huth auch eine Folge der vielen Koch-Shows im Fernsehen.
5. Handwerk Ein Dauerbrenner auf dem deutschen Arbeitsmarkt bleibt das Handwerk. Gesucht sind derzeit Maler und Lackierer, Elektriker, Installateure, Kfz-Mechaniker oder Mechatroniker. Zusammengerechnet sind es 67.000 freie Stellen, die so zusammenkommen. Paradoxerweise ist die zahl der handwerklich qualifizierten Arbeitslosen ähnlich groß. Doch stoßen Jobsuchende mit Hartz-IV-Hintergrund in der konservativen Handwerkerzunft oft auf Skepsis. Alkoholismus, Verwahrlosung, Unzuverlässigkeit – hier kommt einiges an Vorurteilen zusammen. Die BA habe dagegen eigens eine Kampagne namens „Hilfreiche Hände“ ins Leben gerufen.
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