Studenten mit weißen Bärten: Jobben als Weihnachtsmann ist lukrativ
zuletzt aktualisiert: 13.11.2010 - 12:57Nürnberg/Berlin (RPO). Alle Jahre wieder werden Studenten im Dezember zu roten Männern mit schlohweißen Bärten: Für einen Auftritt als Weihnachtsmann kassieren sie Gagen von 30 bis 50 Euro, strahlende Kinderaugen inklusive.
"Viele Arbeitsagenturen bieten zur Weihnachtszeit eine Weihnachtsmannvermittlung an", erklärt Anja Huth von der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Die Vermittlung beginne im November. "Manche Familien fragen aber auch noch an Heiligabend an."
In einigen Universitätsstädten ist auch das Studentenwerk eine Anlaufstelle für Weihnachtsmann-Darsteller, ergänzt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk (DSW) in Berlin. In Berlin zum Beispiel vermittelt die studentische Arbeitsvermittlung "Heinzelmännchen" nach eigenen Angaben jedes Jahr rund 300 bis 400 Weihnachtsmänner und Engel. Sie bescheren an Heiligabend etwa 3000 bis 5000 Familien. Dafür schaltet das Studentenwerk ab November eine Hotline, bei der Familien einen Termin buchen können. Ab Oktober ist außerdem ein Weihnachtsmann-Büro auf dem Campus geöffnet.
Der Vermittler der Arbeitsagentur nimmt laut Anja Huth die Anfragen von Familien, Firmen oder Krankenhäusern entgegen. Außerdem betreut er Bewerber, die den Job machen möchten. "Der Bewerberpool ist sehr durchmischt", erzählt Huth. Neben Rentnern seien viele Studenten darin vertreten.
Beim Berliner Studentenwerk sei die Nachfrage größer als die Zahl der Jobs, erzählt Stephan Antczack von den "Heinzelmännchen", der selbst als Weihnachtsmann auftritt. "Uns fehlt männliches Personal." Zwar wollten mittlerweile auch viele Studentinnen den Job machen. Gebucht würden jedoch vor allem männliche Darsteller.
Guter Draht zu Kindern
Bewerber brauchen einen guten Draht zu Kindern, wie Anja Huth erläutert. Außerdem müssten sie vertrauenswürdig sein. "Dann werden sie mit Bart, Mantel und Mütze ausgestattet. Da haben wir mittlerweile einen kleinen Theaterfundus." Darsteller sollten außerdem gut deutsch sprechen und einige Weihnachtslieder singen können, ergänzt Stephan Antczack. Und sie müssten sich gut in die Situation in den jeweiligen Familien einfühlen können. "Man braucht Empathie." Damit das gelingt, machen die "Heinzelmännchen" ein Casting und schulen Darsteller in einem Workshop.
Aus den finanziellen Dingen hält sich die Arbeitsagentur heraus. "Was zwischen Auftraggeber und Bewerber vereinbart wird, ist deren Sache", erläutert Huth. Die Höhe der Gage oder wie der Auftritt bei der Bescherung im Detail ablaufen soll, wird individuell geregelt.
Der Verdienst liegt laut Huth zwischen 30 bis 50 Euro pro Auftritt. Beim Berliner Studentenwerk verdienen Weihnachtsmänner für einen Auftrag nach Abzug der Vermittlungsgebühr rund 26 Euro. Wird der Zeitaufwand für Vorgespräche mit den Familien eingerechnet, kämen Studenten auf einen Stundenlohn von etwa 18 Euro, sagt Antczack. 300 bis 400 Euro könne man Heiligabend durchaus nach Hause bringen. "Das ist für Studenten doch ein ordentlicher Verdienst."
Er selbst habe als Student Ende der 1990er Jahre als Weihnachtsmann "schweinegut" verdient, erzählt DSW-Sprecher Stefan Grob. 40 bis 50 Mark habe damals die Grundgage betragen, dazu kamen Trinkgelder und auch mal der eine oder andere größere Schein für ein spontanes Engagement. Bis zu 600 Mark am Tag seien für ihn drin gewesen. "So viel Geld verdient man in keinem anderen Job."
Es sei aber auch harte Arbeit, mit Bart und Mütze vor den Kindern aufzutreten. "Ich war noch nie in meinem Leben so platt wie nach dem einen Tag als Weihnachtsmann", erzählt Grob. Bis zu 20 Familien habe er an Heiligabend ab dem Nachmittag abgeklappert. Im Schnitt kommen die Darsteller unter den Berliner Studenten heute laut Stephan Antczack auf 12 Familien. Und sie müssen die Sache ernst nehmen. In manchen Situationen ist das nicht immer ganz einfach. Aber die Kinder müssten einem die Rolle abnehmen, betont Grob.
Bewerben als Weihnachtsmann
Bewerber sollten sich an die Arbeitsagentur an ihrem Wohnort wenden, empfiehlt BA-Sprecherin Anja Huth. Alternativ bietet sich eine Anfrage beim Studentenwerk an. Denn einige Arbeitsagenturen - etwa in Hamburg - haben sich wieder aus dem Vermittlungsgeschäft zurückgezogen. Die Sache sei "zu personalintensiv" geworden, bedauert Knut Böhrnsen, Sprecher der Agentur in Hamburg. Mehrere Mitarbeiter seien zuletzt damit beschäftigt gewesen, über 1000 Termine an Heiligabend für ihre Weihnachtsmänner zu koordinieren.
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