Entwickeln helfen: Jobs für Idealisten
VON SIMONE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 03.09.2009 - 10:24Düsseldorf (RP). Ob als Jurist oder Ingenieur - das Interesse an aktiver Entwicklungshilfe ist ungebrochen. Sprachkenntnisse und soziales Engagement sind wesentliche Voraussetzungen für die Aufgaben.
Allabendlich begleitet der blutrot gefärbte Himmel die Sonne bei ihrem Untergang. Wilde Tiere vor dem Hintergrund einer einmaligen Landschaftskulisse. Volker Kromrey erinnert sich gerne an seine Zeit im Projektmanagement für Natur- und Umweltschutz in Caprivi, nahe den Viktoria-Fällen im Nordosten Namibias.
Doch der heute 29-Jährige kennt auch die Probleme, die sich hinter dem makellos touristischen Bild verstecken. Genau deshalb ist er vor zwei Jahren für zwölf Monate als Entwicklungshilfe-Trainee in das ferne Land gegangen. Namibia, etwa zweieinhalb mal so groß wie die Bundesrepublik, ist mit rund zwei Millionen Menschen dünn besiedelt.
„Die wichtigste Ressource ist die Natur in Form von Ackerbau und Forstwirtschaft für die Bevölkerung“, sagt der Forstwirtschaftler aus Radolfzell am Bodensee. Zugleich baut der Tourismus auf die natürliche Schönheit des Landes. In seinem Projekt ging es um Naturschutz in Kombination mit Wirtschaftlichkeit, das heißt um den vermeidbaren Abbau von Wald und Forst und den Aufbau einer rentablen Tourismusbranche. „Schutz durch Nutzung lautete unser Leitgedanke bei der Ausbildung der Menschen zu Forstmanagern“, erzählt Kromrey. „Es war ein ganz anderer Einstieg ins Berufsleben als hierzulande. Die sehr erfüllende und sinnvolle Arbeit mit den Einheimischen ist unglaublich beeindruckend und bereichernd.“
Die Arbeit in einem fernen Land habe nichts mit Reisen zu tun. „Man bekommt viel tiefere Einblicke in die alltäglichen Lebensgewohnheiten, die Bedürfnisse und auch in den Einsatz und die Entwicklungshilfepolitik Deutschlands“, sagt der Forstwirtschaftler. Derzeit ist er als Projektmanager bei der Bodensee-Stiftung im Bereich Naturschutz tätig. Doch eines steht für ihn fest: „In den nächsten Jahren möchte ich wieder ins Ausland gehen. Dann als Entwicklungshelfer für ein längeres Projekt.“
Ob als Jurist, Ingenieur oder Verwaltungsexperte für den Wassersektor in Nahost oder als Berufsschullehrer zur Ausbildung von Lehrkräften in Afrika: Die Entwicklungszusammenarbeit ist ein spannendes Arbeitsfeld für nahezu alle Berufsgruppen. Sie bietet rund um die Welt die Chance, etwas zu verändern und sich selbst einzubringen.
Zahlreiche Bewerbungen
Kein Wunder, dass die Nachfrage groß ist. „Rund 7000 Bewerbungen erreichen uns im Jahr“, sagt Jürgen Wilhelm, Geschäftsführer des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in Bonn. Eingestellt werden jährlich etwa 400 neue Mitarbeiter sowie etwa 100 Trainees. Das zwölfmonatige Traineeprogramm richtet sich an junge Akademiker bis maximal 28 Jahre. Vor Ort arbeiten sie bereits an den Aktivitäten mit und haben danach die Chance, als Entwicklungshelfer in anderen Ländern Projekte zu betreuen und zum Abschluss zu bringen.
Einer der Gründe für das starke Interesse an der Entwicklungspolitik liegt nach Ansicht von Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul darin, von Solidarität nicht nur reden zu wollen: „Junge Menschen möchten selbst anpacken. Entwicklungszusammenarbeit heute heißt dabei nicht mehr zuvorderst Brunnen bohren und Brücken bauen, sondern zum Beispiel in den Entwicklungsländern unsere Partnerregierungen zu Themen wie guter Regierungsführung oder Wassermanagement zu beraten.“
Auch Berufserfahrene sind in der Entwicklungszusammenarbeit willkommen. Voraussetzung sind neben einer abgeschlossenen Ausbildung und mehrjähriger Berufspraxis sehr gute Sprachkenntnisse in mindestens einer europäischen Fremdsprache und soziales Engagement. „Abenteurer fallen bei uns durch das Assessment-Programm. Damit können wir nichts anfangen“, erklärt Wilhelm im Gespräch mit unserer Zeitung.
In der Regel liegt beim DED der Aufenthalt in einem Land bei drei Jahren. Möglich sind fünf Jahre in einem und weitere fünf Jahre in einem anderen Land. Eine Verlängerung ist danach aber nicht vorgesehen. „Entwicklungshelfer ist kein Beruf, sondern ein Projekt, das es zu erarbeiten, umzusetzen und zu einem Abschluss zu bringen gilt - auch zu einem persönlichen“, betont DED-Geschäftsführer Jürgen Wilhelm.
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