Ätherische Öle besänftigen aufgekratzte Kinder und stärken für das Geschäftsessen: Leben und Arbeiten in Wohlgerüchen
zuletzt aktualisiert: 25.05.2004 - 17:26München (rpo). Immer öfter liegt er in der Luft, dieser ganz besondere Duft. An der Hotel-Rezeption, im Fitness-Studio, im Kindergarten und sogar im Krankenhaus. Die Rede ist von ätherischen Ölen. Sie berühren Seele und Körper, mindern Stress und sorgen für Wohlbefinden. Duft und Emotionen sind eng miteinander verzahnt, was sich öffentliche Einrichtungen und Geschäftsleute zunutze machen. Deutschlands wohl bekannteste Aromaöl-Spezialistin Maria M. Kettenring weiß, wie man die wohltuenden Aromen gezielt in den eigenen vier Wänden einsetzt.
"Ätherische Öle schaffen ein positives Mikroklima, sie "ionisieren", frischen die Luft auf", sagt die Expertin. Eine Wirkung, die in Wohn- und Schlafzimmer gefragt ist. Geeignete Düfte hier sind Bergamotte, Clementine, Grapefruit, Lemongras, Limette, aber auch Edeltanne, Myrte, Pfefferminze oder Zirbelkiefer.
"Guten Morgen-Frische" heißt ein Cocktail, den Kettenring besonders nahe legt: Zwei Tropfen Wacholder, drei Tropfen Rosmarin und drei Tropfen Eisenkraut-Öl in die Duftlampe geben. Wacholder macht wach und erhöht die Konzentration, Rosmarin ist das klassische Öl für "Kopfarbeiter" und Eisenkraut bläst Apathie hinweg.
Das Wohnzimmer ist ein Raum, der willkommen heißt, ein Empfangsort für Freunde und Besucher. Eine warme Begrüßung garantiert die Mischung "Freundlicher Eintritt": drei Tropfen Ho-Blätter, zwei Tropfen Rosengeranie, zwei Tropfen Blutorange. Gegen schlechte, abgestandene Luft, Körpergeruch und Zigarettenqualm helfen Douglasfichte, Wacholder, Weißtanne, Lemongras, Latschenkiefer, Myrte oder Zitrone.
Ätherische Öle sitzen als winzige Tropfen zwischen den Zellen der Pflanzen. Sie ähneln stark menschlichen Hormonen und Vitaminvorstufen. Die Inhaltsstoffe wie Aldehyde, Ketone oder Monoterpenalkohole erklären ihre therapeutische Wirkung. Über die Nase gelangen sie in die Riechnerven. Diese wandeln die Informationen in elektrische Impulse um und leiten sie weiter ins Gehirn. Ziel ist das limbische System, eine Gehirnregion, die Instinkte wie Hunger, Durst und Sexualität steuert und eng mit der Hormonproduktion und dem Immunsystem verknüpft ist. Mit ätherischen Ölen kann man somit gezielt die Stimmung beeinflussen.
Beispiel Geschäftsessen im heimischen Esszimmer: Der Chef hat sich angemeldet? Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte den Raum mit folgender Erfolgsmischung aromatisieren: vier Tropfen Orange, ein Tropfen Zeder und zwei bis drei Tropfen Palmarosa. Der Zitrusduft der Orange mindert Hektik, die steife Veranstaltung wird durch den rosenartigen Duft von Palmarosa gelockert und die Zeder verleiht Stärke.
Um eine beruhigende Atmosphäre in lärmerfüllten Kinderzimmern zu schaffen, hat die Fachfrau eine dufte Mischung parat: Zwei Tropfen Lavendel und zwei Tropfen Grapefruit ins Wasser der Duftlampe geben. "Auch Clementinengeruch lieben Kinder sehr", weiß Kettenring. Gern riechen die Kleinen zudem Honig-, Kakao- und Vanille-Extrakte.
So erstaunlich die ätherischen Öle auch wirken, man sollte sie variieren. Ansonsten ist die Gewöhnung zu stark. Ö"Spätestens nach 20 Minuten ermüdet der Geruchssinn. Das Gehirn wird aber nur mit wechselnden Gerüchen angeregt", erläutert die Expertin. Alle drei Tage sollte ein neues Aroma gewählt werden.
Um in der Wohnung kein Duftwirrwarr entstehen zu lassen, sollte man sich vor einer "Dauerberieselung" hüten. Sie ruft Kopfschmerzen und Übelkeit hervor. "Setzen Sie die Aromaöle als Impuls", rät Kettenring. Die Duftlampe sollte nur stundenweise aktiviert werden. Ätherische Öle verflüchtigen sich nach zwei Stunden, die Essenzen können aber länger wirken. Wenn das Kerzchen ausgeht, also nicht gleich das nächste anzünden.
Wird das beachtet, können auch Allergiker ihre Wohnräume beduften. Nur Menschen mit multisensiblen Allergieformen sollten darauf verzichten. Das Verdampfen der Öle ist "nicht so drastisch allergieauslösend wie die Anwendung über die Haut als Wannenbad oder Massage", beruhigt Kettenring.
Im Verdacht, Allergien auszulösen, stehen vielmehr künstliche Duftstoffe, die immer mehr den Markt überschwemmen. Duftrichtungen wie Flieder, Lilie, Lotus, Maiglöckchen, Pfirsich oder grüner Apfel sind ausschließlich synthetisch hergestellt. Die Expertin rät, hoch phenol- und ketonhaltige Öle - wie in Salbei und Ysop enthalten - nur in geringer Dosis zu verdampfen.
Die Qualität des Produkts muss rein sein. "Ein genuines Aromaöl zu bekommen, gleicht der Suche nach einem guten Wein oder Olivenöl", weiß die Aromaöl-Fachfrau. Auch in dieser Branche werde "gepanscht". Ihr Rat: Beim Kauf das Etikett genau studieren. Angegeben sein müssen das Herkunftsland, die lateinische Bezeichnung, der Inhalt sowie der Pflanzenteil, aus dem das Öl stammt (Zimtrinde zum Beispiel ist sechsmal so teuer wie Zimtblattöl).
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