Kosten für Pflegeheime: Lohndumping bei der Kirche
VON CLEMENS FLACH - zuletzt aktualisiert: 09.08.2009 - 16:42Düsseldorf (RPO). In Niedersachsen herrscht Finanznot bei der Pflege. Die Caritas Hannover musste deshalb sechs Pflegeheime verkaufen. Der neue Träger, das evangelische Johannesstift aus Berlin, senkt die Löhne des Heimpersonals nun um ganze 13 Prozent.
Private Pflegeheime bezahlen ihren Arbeitskräften schon länger niedrigere Löhne. Bei den kirchlichen Trägern der Wohlfahrtspflege verdienen die Pfleger und Angestellten deutlich besser. Das wurde der Caritas jetzt zum Verhängnis.
Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" konnte der katholische Träger nicht mehr kostendeckend arbeiten. Brisant ist dabei, dass sich ein kirchlicher Träger, hier das evangelische Johannesstift, am Lohndumping beteiligt.
In einem anderen Bundesland wäre der Betrieb der sechs Caritas-Heime rentabel gewesen. Dies liegt an der unterschiedlichen Finanzierungspraxis in den Ländern. In Nordrhein-Westfalen liegt der Pflegesatz um bis zu 600 Euro höher. Das geht aus einer Aufstellung des Statistischen Bundesamtes hervor.
Der zuständige Hildesheimer Caritas-Direktor Hans-Jürgen Marcus macht gegenüber unserer Redaktion die niedrigen Pflegesätze in Niedersachen dafür verantwortlich. "Die Kostenerstattung für die Unterbringung der Pflegebedürftigen im Heim wird mit den Kassen verhandelt. Diese richten sich nach den durchschnittlichen Kosten der Pflegeheime in der jeweiligen Region."
In Niedersachsen sind allerdings über sechzig Prozent der Pflegeheime in privater Hand. Das drückt den Kostendurchschnitt - und führt dazu, dass gemeinnützige Träger wie die Caritas zu wenig Kosten erstattet bekommen.
Der Anteil kirchlicher Träger in anderen Bundesländern liegt höher. Caritas-Direktor Marcus weist auf ein weiteres Problem hin: "Unsere Schiedsstelle in Niedersachsen legt die Praxis zur Ermittlung der Pflegesätze besonders hart aus."
Zu den Pflegesätzen gibt es ein neues Urteil des Bundessozialgerichts vom Januar 2009 - die Umsetzung komme nicht voran, so Marcus. Für die Caritas in Hannover ist es allerdings zu spät. Die hatte bereits im letzten Jahr auf den finanziellen Notstand hingewiesen. Der Name der Kampagne: "Pflegealarm". Den haben die Verantwortlichen offenbar nicht gehört.
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