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Bewerbungen: Manager oder Putzfrau? Fallen bei englischen Jobanzeigen

zuletzt aktualisiert: 13.05.2005 - 08:49

Berlin (rpo). In Deutschland senden Bewerber auch dann gern ihre Unterlagen, wenn ihr Profil nicht absolut zur ausgeschriebenen Stelle passt. Wer sich allerdings in den USA oder Großbritannien bewirbt, sollte vorher die Anzeigen genau studieren, denn vieles ist wortwörtlich zu nehmen. Auch ansonsten lauten in englischen Stellenangeboten einige Fallen.

Wer eine englischsprachige Stellenanzeige nicht Wort für Wort versteht, ist zunächst vielleicht verunsichert, sollte aber nicht die Flinte ins Korn werfen, sondern ein Wörterbuch zur Hand nehmen. "Sind zwei oder drei Worte unbekannt, ist das nicht weiter tragisch", sagt Niel Ramsey vom Sprachreiseveranstalter Inlingua in Berlin. "Wenn man aber die Hälfte nicht versteht, muss man sich schon fragen, ob die Sprachkenntnisse für eine Arbeit im Ausland ausreichen."

Oft fehlt es allerdings nicht an den nötigen Vokabelkenntnissen, sondern an der Fähigkeit, die Aussagen des Textes richtig zu interpretieren. Denn die Formulierungen, die Unternehmen im englischen Sprachraum in Stellenanzeigen verwenden, unterscheiden sich zum Teil erheblich von den in Deutschland üblichen, wie der Waliser Ramsey erläutert.

Gehalt meist genannt

Vor allem gilt es, die gestellten Anforderungen als verbindlich zu begreifen. "Als erstes sollte man auf die entsprechende Liste achten. Meist schreiben die Unternehmen ganz konkret, was gefordert wird", sagt Ramsey. Werden also zum Beispiel umfangreiche Computerkenntnisse gefordert, sollte der Bewerber tatsächlich über diese verfügen. "Es reicht dann nicht, am Computer einen Brief schreiben zu können."

Danach ist der Blick auf das Gehalt an der Reihe. "In englischen Anzeigen steht das so gut wie immer dabei", sagt Nicole Göttlicher von der Online-Stellenbörse Stepstone in Düsseldorf. Bei Netz-Börsen sei das Jahresgehalt oft bereits in der Suchliste aufgeführt. Weicht die Bezahlung von jener im bisherigen Job stark ab, lohnt sich eine Bewerbung meist nicht: "Wer in Deutschland 50.000 Euro verdient und sich auf eine Stelle bewirbt, die mit umgerechnet 90.000 Euro dotiert ist, hat in der Regel keine Chance."

Wenig Verhandlungsmöglichkeiten

Umgekehrt hat es keinen Sinn, sich um einen niedriger dotierten Job in der Hoffnung zu bewerben, das Gehalt im Einstellungsgespräch nach oben drücken zu können: Laut Ramsey lassen allenfalls kanadische Chefs mit sich handeln. "Es lohnt sich aber zu schauen, ob das Gehalt alleine dasteht oder ob noch ein Bonus dazu kommt." So werde häufig die Krankenversicherung übernommen, was sich finanziell lohne. In der Anzeige verbirgt sich das häufig hinter der Bezeichnung "plus package".

Skepsis ist geboten, wenn in der Anzeige kein Gehalt genannt ist. Laut Kai Deininger von der Netz-Stellenbörse Monster in Bad Homburg deutet dies zwar nicht auf mangelnde Seriosität hin. "Aber möglicherweise hat das Unternehmen dann gar nicht konkret vor, jemanden einzustellen, sondern fischt nur ein bisschen im Markt." Das gelte auch, wenn das Anforderungsprofil merklich vager gehalten ist als in anderen Stellenausschreibungen.

Viele "Manager"

Deutlich weniger aussagekräftig als in vielen deutschsprachigen Anzeigen sind dagegen die englischen Jobtitel. "Wir tendieren dazu, alle "manager" zu nennen", erklärt Ramsey. Ein Extrembeispiel sei der "hygiene manager": "Das könnte theoretisch eine Putzfrau sein." Ein "account manager" ist nach Deinigers Worten schlicht ein Verkäufer.

Für Unverständnis sorgen häufig auch Abkürzungen. Britische Firmen verwenden gerne den für Tausend - "kilo" - stehenden Buchstaben "k". "£50k" weist auf ein Jahresgehalt in Höhe von 50 000 Pfund (74 443 Euro) hin - wobei sich manchmal zusätzlich die Abkürzung von zwei lateinischen Vokabeln einschleicht: "p.a." steht für "per annum", zu Deutsch "pro Jahr".

Schwer zu entziffern sind auch Buchstabenschlangen wie "EOaAAE", die sich unter manchen amerikanischen Stellenanzeigen finden. Sie stehen für "Equal Opportunity and Affirmative Action Employer", sagt Deininger. "Das ist ein Unternehmen, das ausgeschriebene Stellen ohne Ansehen der geschlechtlichen Orientierung, der ethnischen Herkunft und einer möglichen Behinderung des Bewerbers vergibt." Das heißt, dass zum Beispiel behinderte Bewerber bei gleicher Qualifikation nicht behinderten Bewerbern vorgezogen werden.

Deutsches Unternehmen - englische Anzeige

Ein immer öfter anzutreffender Sonderfall sind englischsprachige Anzeigen deutscher Unternehmen. "Manche Firmen haben gemerkt, dass sie bestimmte Stellen nicht mehr ausschließlich mit Bewerbern aus Deutschland besetzen können", sagt Rainer Schmidt-Rudloff von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin.

Deutsche Bewerber müssen sich dem Experten zufolge in solchen Fällen fragen: Behandelt das Unternehmen die Ausschreibung im Sinne des "Global Sourcing" nach angelsächsischen Gepflogenheiten, oder hat es lediglich eine deutschsprachige Anzeige ins Englische übersetzt, um sie für Ausländer lesbar zu machen? Mit anderen Worten: Muss das "umfangreich" im Zusammenhang mit den geforderten Computerkenntnissen wortwörtlich genommen werden oder nicht?

Quelle: gms

 
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