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Kritik an Marburger Bund: Pfleger: Ärztestreik wäre "Maßlosigkeit" und "bodenlose Frechheit"

zuletzt aktualisiert: 22.06.2006 - 21:09

Berlin (rpo). Den Krankenschwestern und Pflegern platzt der Kragen. Wenn der Marburger Bund jetzt einen neuen Streik an kommunalen Krankenhäusern anzettele, so sei das "Maßlosigkeit und Erpressung", eine "bodenlose Frechheit", formulierte die Präsidentin des deutschen Pflegerates.

Wörtlich erklärte sie: "Es ist eine bodenlose Frechheit gegenüber den Patienten, den Krankenschwestern und den Pflegern, wenn der Chef des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, jetzt einen neuen Ärztestreik anzettelt." Die Präsidentin des Dachverbandes der 1,2 Millionen Heil- und Pflegekräfte, Marie-Luise Müller, äußerte sich in der "Berliner Zeitung" laut Vorabbericht. Durch neue Streiks sei die bürgernahe medizinische Versorgung gefährdet.

"Die kommunalen Krankenhäuser in Deutschland, das sind die Krankenhäuser in der Nachbarschaft", gab Joachim Finklenburg zu bedenken, der als Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Gummersbach für die kommunalen Arbeitgeber (VKA) in Köln in der Verhandlungskommission sitzt. Er sprach am Dienstag im WDR: "Wenn das Kind verunfallt, wenn die Mutter umfällt, wenn ein Schlaganfall in der Familie auftritt, der Notarzt muss an das Krankenhaus um die Ecke fahren." Insofern habe er Sorge, dass die Versorgung bei einem Streik leiden werde. Die gemeinnützigen und die privaten Krankenhäuser könnten Ausfälle nur zum Teil auffangen.

Unmoralisches Verhalten

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di warf der Ärzteorganisation Marburger Bund vor, sie agiere unmoralisch, wenn sie nur für die Ärzte Einkommensverbesserungen fordere.

Auch nach Ansicht des Pflegerats ist durch den vergangenen Arbeitskampf an den Universitätskliniken das Verhältnis von Ärzten und Pflegern nachhaltig gestört. Weitere Streiks brächten die medizinischen Berufsgruppen nur weiter auseinander. Tarifabschlüsse mit höheren Ärztegehältern könnten auf lange Sicht zu weiteren Privatisierungen von städtischen Krankenhäusern und zu einem Betten- und Stellenabbau führen.

Langer, harter Kampf auf kommunaler Ebene

Die Deutsche Krankenhaus-Gesellschaft (DKG), der Dachverband der Kliniken, warnte die Ärztegewerkschaft davor, den Bogen zu überspannen. "Die Streiks in den kommunalen Krankenhäusern werden die Patienten noch viel härter treffen als beim Arbeitskampf in den Unikliniken", sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum dem Blatt.

Die Krankenhaus-Gesellschaft warnte vor einem langwierigen Tarifkonflikt. "Wenn der Marburger Bund seine Forderungen nicht auf eine realistische Höhe herunter fährt, wird der Arbeitskampf auf kommunaler Ebene sehr hart und sehr lang werden", sagte Baum. Die kommunalen Krankenhäuser hätten keine finanziellen Spielräume für Ausgabensteigerungen.

Die Krankenhaus-Gesellschaft rechnet bei hohen Tarifabschlüssen damit, dass auf lange Sicht Krankenhäuser schneller als vorgesehen Abteilungen schließen und sich zu größeren Einheiten zusammenfinden. Durch die Konzentration werde es zu einer Einschränkung des Angebotes kommen

Der Marburger Bund hatte am Mittwoch die Urabstimmung für einen Arbeitskampf in den 700 kommunalen Krankenhäusern gestartet. Am Samstag soll das Ergebnis vorliegen. Die Ärzte-Streiks könnten Anfang nächster Woche beginnen. Die Ärztegewerkschaft will in dem Tarifkonflikt höhere Einkommen und einen arztspezifischen Tarifvertrag durchsetzen. Für die kommunalen Krankenhäuser gibt es bereits einen Tarifabschluss der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, der vom Marburger Bund aber nicht anerkannt wird.

Quelle: afp

 
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