Feuerwehr bräuchte ein halbes Jahr: Polarforscher sind auf sich allein gestellt
VON GEORG AMEND - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 - 08:27Düsseldorf (RPO). Wer in der Antarktis überwintern will, braucht einen langen Atem: Im Dezember 1981 erreichte Gert König-Langlo die Neumayer-Station im Nordosten des eisigen Kontinents an, erst im Februar 1983 konnte er ihn wieder verlassen. Der wissenschaftliche Leiter der meteorologischen Observatorien des Alfred-Wegener-Instituts, das die Station am Weddell-Meer betreibt, hatte in diesen 15 Monaten aber genug zu tun.
"Als Meteorologe muss man alle drei Stunden raus", erklärt König-Langlo. "Selbst bei Schneestürmen. Zwar sind das nur relativ kurze Phasen, aber man muss sich trotzdem immer komplett ankleiden. Ein Meteorologe muss wie ein Uhrwerk funktionieren", sagt der heute 57-Jährige. GPS-Geräte und Handleinen sorgen während eines Sturms dafür, dass die Forscher wieder zurück zur Station finden, wenn die Sichtweite weniger als zehn Meter beträgt.
In der Antarktis gebe es immer Arbeit zu verrichten. "Beim Überwintern bleibt eine Rumpfmannschaft von meist neun Leuten zurück", erklärt König-Langlo. "Wir waren sieben. Und wenn statt 50 Leuten sieben eine Station bewirtschaften müssen, gibt es da keinen Müßiggang." Die wenige Freizeit sei dann mit Schach spielen, Musik hören oder "über die Schlechtigkeit der Welt reden" gefüllt worden.
Wind ist ein Problem
Einsamkeit habe er in der Antarktis nicht empfunden, sagt König-Langlo. Auch die sechswöchige Polarnacht habe ihn nicht weiter belastet: "Die Sonne bleibt zwar unter dem Horizont, aber es gibt immer noch eine Dämmerungsphase von ein, zwei Stunden. Und wenn nachts das Licht der Sterne und des Mondes von der schneeweißen Erdoberfläche reflektiert wird, wird es auch nicht richtig dunkel."
So wenig wie das andauernde Zwielicht machte ihm die Kälte zu schaffen. "Das Problem ist nicht die Kälte an sich, sondern wenn Kälte mit Wind gekoppelt ist", erklärt König-Langlo. "Minus 50 Grad und windstill ist angenehmer als minus 20 Grad kombiniert mit Wind."
Inzwischen bildet der 57-Jährige die nächste Generation Antarktis-Forscher aus. Gute Fachkenntnisse sind Grundvoraussetzung für Bewerber, Teamfähigkeit und Fingerfertigkeit zudem notwendig. "Es nützt nichts, wenn einer zwei linke Hände hat", sagt König-Langlo. "Wenn man mitten auf dem Eis einen Schaden am Motorschlitten hat, reicht es nicht, wenn man nur die Zündkerzen wechseln kann." Eine Erste-Hilfe-Ausbildung ist obligatorisch, einige Teilnehmer lernen sogar, Not-Operationen durchzuführen.
Feuerschutzausbildung enorm wichtig
Für alle gehört zu den wichtigsten Lehrinhalten aber die Feuerschutzausbildung. "Weil die Luft viel kälter ist, ist sie auch viel trockener", erklärt König-Langlo. "Feuer müssen unbedingt vermieden werden. Da brennt alles in einem Raum wie Zunder, und es kommt keine Feuerwehr." Mitunter könne es bis zu einem halben Jahr dauern, bis Hilfe eintreffe.
Auch wenn sein Überwintern in der Antarktis nun 30 Jahre zurückliegt, die Eindrücke von damals hat König-Langlo nie vergessen: "Dort stellt man fest, dass die Natur wirklich gewaltig ist. Nach der Überwinterung wurden im Oktober die ersten Robben-Babys geboren. Wir hatten so lange gedacht, dass es außer uns kein Leben gäbe, und plötzlich sieht man neues Leben - das war ein gewaltiger Moment, den ich nicht missen möchte."
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