Benimmkurse für Chinesen im Ausland: Schöner pinkeln
zuletzt aktualisiert: 26.07.2005 - 07:35Düsseldorf (rpo). Es ist kein Geheimnis mehr: Chinas Wirtschaft ist auf dem Vormarsch und könnte der westlichen Welt langsam, aber sicher den Rang ablaufen. Doch Wirtschaft ist auch Psychologie. Und mit der Aufgabe, die westliche Geschäftswelt zu erobern, hat so mancher chinesischer Geschäftsmann noch schwer zu kämpfen. Ein Schweizer Unternehmer hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, den Machern aus Fernost westlichen Benimm beizubringen.
Pauschalurteile sind grundsätzlich abzulehnen. Dennoch fällt Geschäftsleuten immer wieder auf, dass sich Kollegen aus China für westliche Verhältnisse deutlich daneben benehmen. Was die einen peinlich berührt, verwandelte Andy Mannhart in eine florierende Geschäftsidee. In Seminaren erläutert er chinesischen Geschäftsleuten und Politikern die Grundregeln des zivilen Miteinanders und macht seine eifrigen Studenten mit abendländischen Tischmanieren vertraut. Glaubt man seinen Angaben, laufen die Geschäfte glänzend.
Chinas Manager haben nämlich vor allem ein Ziel: Nicht auffallen und möglichst still und leise das Feld von hinten aufrollen. Hinderlich wären da zum Beispiel peinliche Zwischenfälle auf der Toilette. Öffentliche Toiletten sind im Riesenreich Mangelware und die wenigen Exemplare sehen in Sachen Hygiene relativ bescheiden aus. Auch hier setzt Mannhart an und formuliert wichtigste Regel am stillen Örtchen: Bitte nicht daneben pinkeln!
Bedanken kann sich Mannhart übrigens beim alten Mao Zedong. Dessen Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 heißt nämlich nicht umsonst vollständig in den Geschichtsbüchern „Große Proletarische Kulturrevolution“. Lautes Grölen und proletarisches Verhalten á la Horst Schimanski gehörte im China dieser Tage durchaus zum guten Ton. Wer nicht mitmachte, galt gleich als Klassenfeind.
Bei seinem Besuch der Volksrepublik vor vielen Jahren, ahnte Mannhart wohl noch nichts von seiner Geschäftsidee. Der Anblick der beherzt aus dem Fenster spuckender Autofahrer hat aber anscheinend eine tiefe Erkenntnis in ihm reifen lassen: Hier gibt es noch einiges zu tun, bevor im Frankfurter Bankenviertel Millionendeals eingetütet werden können.
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