DGB schlägt Alarm: "Schwarzbuch Ausbildung" - Wie Lehrlinge leiden müssen
zuletzt aktualisiert: 19.05.2005 - 12:31Berlin (rpo). Überstunden, Mobbing, sexuelle Belästigung - nicht jeder Lehrling ist in seiner Ausbildungsstelle in guten Händen. Besonders gravierende Fälle hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in seinem "Schwarzbuch Ausbildung" dokumentiert. Der DGB fordert die Industrie- und Handelskammern auf, Ausbildungsbetriebe stärker zu kontrollieren. So sollen die "gravierenden Missstände" bekämpft werden.
In dem Schwarzbuch hat der DGB zahlreiche Beispiele für Missstände in deutschen Ausbildungsbetrieben aufgeführt. Darin berichten Lehrlinge von ausbildungsfernen Arbeiten, ausbleibenden Lohnzahlungen, ausufernden Überstunden, Mobbing, sexueller Belästigung und gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten.
"Es ist erschütternd, mit welchen Fällen wir konfrontiert werden", sagte DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock. So wird in dem Schwarzbuch von einer Auszubildenden zur Hotelfachfrau berichtet, die im November 2004 mit ihrer Ausbildung begonnen, bisher aber keinen Ausbildungsvertrag erhalten habe. Auf Nachfrage bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) habe sie erfahren, dass ihr Arbeitgeber keine Ausbildungslizenz besitzt.
Hantieren mit krebserregenden Stoffen
Ein angehender Fahrzeuglackierer müsse Autos mit Quarzsand entrosten. "Das ist hochgradig krebserregend und laut Arbeitsschutzgesetz eigentlich verboten", schreibt der Lehrling im "Schwarzbuch".
Ein junger Mann, der zum Gas- und Wasserinstallateur ausgebildet werden solle, müsse stattdessen wochenlang die Werkstatt seines Ausbilder anstreichen. In seinen Wochenberichten für die Berufsschule solle er das aber nicht erwähnen.
Gassi gehen mit dem Hund des Chefs
Eine junge Frau berichtet, zu ihrer Ausbildung gehöre es, mit dem Hund ihres Chefs Gassi zu gehen, dessen Sohn zu betreuen und die Toiletten zu putzen.
"Wir sind auch überrascht von der Vielzahl der Fälle", sagte die Gewerkschafterin. Aus Angst vor dem Verlust des Ausbildungsplatzes nähmen viele Lehrlinge Missstände billigend in Kauf und ließen sich zu viel gefallen, erläuterte sie. Besonders betroffen seien Jugendliche in kleinen Betrieben im Einzelhandel, in Büroberufen, im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie in der Medienbranche.
Das Schwarzbuch fasst die Erfahrungen der Gewerkschaft mit der kostenlosen Online-Beratung für betroffene Auszubildende unter www.doktor-azubi.de zusammen. Seit der Einführung im Juli 2003 seien dort rund 2000 Lehrlinge beraten worden. Derzeit erhalte der DGB auf der Internetseite monatlich etwa 200 Anfragen.
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