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Sie steigern die Lebenserwartung: Tüftler der Medizin

VON SIMONE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012 - 09:52

Düsseldorf (RP). Ob Herzschrittmacher, Gelenke, Implantate oder Hörgeräte – Absolventen der Medizintechnik tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, das Wohlbefinden von Menschen zu verbessern und die Lebenserwartung zu steigern. "Die interdisziplinären Studiengänge vermitteln medizinische Grundlagen mit klassischen Ingenieurwissenschaften", weiß Isabel Erbeck.

Die 23-jährige hat an der Fachhochschule (FH) Gelsenkirchen bereits den sechssemestrigen Bachelorstudiengang absolviert. Sie studiert derzeit im dritten Semester des Masterstudiengangs Mikro- und Medizintechnik. Auf ihrem Stundenplan stehen neben den Grundlagenfächern wie Mathematik, Physik, Chemie und Biologie Veranstaltungen aus den Bereichen Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik, zum Beispiel Mess- und Regelungstechnik oder Softwareentwicklung. Denn das Studienfach ist eine Querschnittstechnologie, zu der auch das Wissen um die Feinwerktechnik, die Nano-Technologie sowie die Laser- und Materialforschung gehört. Hinzu kommen Vorlesungen auf dem Gebiet der Medizin – etwa Anatomie oder Pathologie.

"Die medizinischen Grundkenntnisse sind wichtig, denn die Studierenden müssen eine konkrete Vorstellung davon haben, wo die Geräte am menschlichen Körper angebracht werden und wie sie dort wirken", erklärt Heinrich Martin Overhoff, Professor für Geräte und Systeme der Gesundheitstechnik an der FH. Erst die Kenntnis der menschlichen Physiologie und der Diagnosemethoden sind Voraussetzung, um optimale Apparate zu entwickeln.

Eines müsse jedem Studieninteressierten dennoch bewusst sein: dass die Medizintechnik ein klares Ingenieurstudium sei, betont er. "Technisches Verständnis und logisches Denkvermögen sind Grundvoraussetzungen für den Studienerfolg", sagt Erbeck. Sie hat ihren Schwerpunkt auf bildgebende Systeme wie die Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) gelegt. Ihr berufliches Ziel ist es, in die industrielle Entwicklung von CT-Anlagen zu gehen, um etwa an einer verbesserten Form der lokalen Strahlentherapie zu arbeiten. Dabei komme es oft auf die exakte Montage von Geräten an, um korrekte Messergebnisse am Patienten zu gewährleisten.

Ihren viersemestrigen Masterstudiengang will sie im Sommersemester abschließen. "Meine Abschlussthesis werde ich dazu bei einem CT-Anlagenbauer schreiben", berichtet Erbeck. Zu dem Studiengang hat sie sich neben ihrem technischen Interesse auch wegen der guten Berufsperspektiven entschieden. Tatsächlich sind die Aussichten hervorragend. "Gut ausgebildetes Personal sucht die Medizintechnikindustrie vor allem für die Forschung und Entwicklung, aber auch für Zulassungsfragestellungen. Ebenso wird die aktuelle Initiative der EU-Kommission zur Überarbeitung der Medizinprodukte Guideline hierzu beitragen", sagt Dr. Meinrad Lugan, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Medizintechnologie (BV Med) in Berlin. Der Bedarf an Ingenieuren wird nach Expertenmeinung weiter steigen.

Ein Grund ist der Erfolg der medizintechnischen Unternehmen aus Deutschland auf dem Weltmarkt. Es sei abzusehen, dass nach dem jetzigen Studentenboom durch doppelte Abiturjahrgänge sowie den Wegfall der Wehrpflicht bereits in einigen Jahren weniger Ingenieurstudenten ausgebildet werden, als durch die Industrie benötigt werden. Hier steht die Medizinprodukte-Industrie im direkten Wettbewerb mit Branchen wie Automotive, Pharma und anderen Ingenieursbranchen.

Die Verdienstmöglichkeiten von Absolventen sind attraktiv und liegen auf gleicher Höhe mit Absolventen, welche in der Pharmaindustrie eingestellt werden. "Auch sind durch gute Aufstiegsmöglichkeiten sowie die Internationalisierung mittelständischer Medizintechnikunternehmen gute Gehaltsentwicklungen vorhersehbar, die über denen von Dienstleistungsbranchen liegen werden", meint Lugan.

Quelle: RP/chk


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