Jobsuche im Vergleich: Twitter vs. Weiterbildung
VON SIMONE JANSON - zuletzt aktualisiert: 07.03.2011 - 11:30Düsseldorf (RPO). Wer einen Job sucht, muss in Deutschland traditionell gute Zeugnisse vorweisen. Doch es kann auch ganz anders funktionieren: Informell, auf Basis persönlicher Kontakte – zum Beispiel via Social Networking. Eine Programmiererin, die beide Wege ausprobiert hat, berichtet von ihren Erfahrungen.
Regine Heidorn hat zunächst mehrere Studiengänge begonnen, aber keinen abgeschlossen. Um im IT-Bereich arbeiten zu können, entschloss sie sich zu einer Weiterbildung an einem privaten Institut in Berlin, die sie mit einem schuleigenen Zertifikat abschloss. Doch offenbar hatte sie kein Glück mit der Qualität des Anbieters.
Die teure Weiterbildung erwies sich schnell als wertlos: „Der Lehrstoff war zum Teil veraltet, die Betreuer verwiesen lieber auf Tutorials im Internet, als prüfungsrelevante Inhalte zu erklären. Alles, was ich heute kann, habe ich mir selbst angeeignet,“ berichtet sie. Und die Programmiererin merkte bald, dass es potentiellen Auftraggebern vor allem auf Referenzen und Erfahrungen ankam.
Regine Heidorn erkannte, welchen Wert ein verlässliches Kontakt-Netzwerk bei der Jobsuche hat. Und sie entdeckte das Soziale Netzwerk Twitter, das es ihr ermöglichte, ihre Kontakte noch auszubauen: „Bei Twitter kann ich nicht nur meine Kompetenzen unter Beweis stellen, sondern auch meine Persönlichkeit einbringen. Meine Kunden wissen daher vorher schon, was sie erwarten können,“ erklärt sie den Nutzen des 140-Zeichen-Dienstes. Und auch sie profitieren auch von Heidorns Netzwerk: „Weil meine Kollegen mich stets auf neue Entwicklungen hinweisen oder mir zeigen, wie etwas besser gelöst werden, garantiert mein Netzwerk auch eine gewisse Qualität und Aktualität meiner Arbeit.“
Mittlerweile fünf Jahre ist die Berlinerin als @bitboutique bei Twitter aktiv. 75 Prozent ihrer Jobs findet sie hier im direkten Austausch. Ein wichtiger Bestandteil ihrer Acquisestrategie: Ehrlichkeit. „Wenn ich etwas nicht kann, sage ich das und empfehlen die Kunden an jemanden aus meinem Netzwerk weiter“, berichtet Heidorn, die in öffentlichen Diskussionen bei Twitter auch extreme Standpunkte nicht scheut. Ihre Kunden, sagt sie, schätzen genau das: „Viele sind froh, wenn ich Ihnen genau sage, welche Programmierleistungen sie brauchen – und welche nicht. Und sie vertrauen mir, gerade weil ich so kritisch bin und nicht alles über den grünen Klee lobe!“
Heidorn nutzt auch andere Soziale Netzwerke wie Xing – doch Twitter ist ihr Lieblingstool: „Bei Xing kann ich nur meine Kompetenzen in ein Profil packen, via Twitter kann ich auch Dinge wie meine Hobbys oder persönlichen Vorlieben kommunizieren – und das so kurz und prägnant, dass die Leute auch lesen, wenn sie wenig Zeit haben“, macht die Programmiererin den Unterschied deutlich.
Genau daraus ergeben sich aber dann oft ungeahnte Jobmöglichkeiten: Heidorn ist beispielsweise ein Fan des Geocachings, eine Art Schnitzeljagd mit mobilen Geräten. Daraus entwickelte sich die Idee einer mobilen Exkursion – und daraus ein Lehrauftrag an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin im Projekt eVideo zum Thema Mobile Exkursionen. Heidorn gibt zu: „Ich hätte nie daran gedacht, dass ich ohne abgeschlossenes Studium Lehraufträge bekommen könnte.“
Ganz abstreiten mag sie jedoch nicht, dass auf traditionellem Wege manches einfacher wäre: „Auf einige Stellenausschreibungen bewerbe ich mich erst gar nicht, weil mir zum Beispiel ein abgeschlossenes Studium fehlt und sicher gibt es auch potentielle Kunden, die lieber Zeugnisse sehen,“ gibt Regine Heidorn zu. Sie sieht allerdings einen großen Vorteil in ihrer Acquisestrategie: „Ich habe habe genau die Jobs und Kunden, die meinen Fähigkeiten entsprechen und die zu mir passen!“
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