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Bewerbungsrisiken: Unliebsame Spuren im Internet

zuletzt aktualisiert: 17.08.2008 - 14:58

Düsseldorf (RPO). Wer seiner beruflichen Laufbahn auf die Sprünge helfen will, kommt am Web 2.0 nicht vorbei. Aber Vorsicht: Wer zu freizügig ist, kann Probleme kriegen.

Neukunden bei ihrer Karriereberatung begrüßt Svenja Hofert sehr direkt: „Sie sind Mitglied im Tennisclub Wedel und bei Attac.“ Dann staunen die Bewerber meist nicht schlecht: Woher denn die Kenntnis über ihre Mitgliedschaft in dem globalisierungskritischen Netzwerk stamme?

Dabei ist die Karriereberaterin aus Hamburg nur den Weg gegangen, den auch viele Personaler einschlagen: Sie hat den Namen in Suchmaschinen eingegeben, Profile in Netzwerken studiert, in öffentlichen Foren mitgelesen und ist schnell fündig geworden. Das Internet verrät viel Persönliches.

„Gerade junge Bewerber machen sich nicht klar, dass sie für Jahre Spuren hinterlassen, wenn sie Partyfotos oder das privat gedrehte Video hochladen“, sagt Hofert. Dabei gebe es schon längst Webseiten, die nichts anderes tun, als Profile sichtbar zu machen und Imagepunkte für eine positive Webpräsenz zu vergeben. Die deutschsprachige Personensuchmaschine yasni.de zum Beispiel bewertet in einem „VIP-Rank“ die Glaubwürdigkeit der gefundenen Person.

Das Suchen und Gefunden werden ist Folge des Internets zum Mitmachen: Aus dem eindimensionalen Web 1.0 ist das interaktive Web 2.0 geworden. Statt auf eine Stellenanzeige zu reagieren, werden aus Bewerbern Selbstdarsteller im Internet. Im Idealfall merkt das auch der interessierte Arbeitgeber: „Die Personalrekrutierung durch Empfehlungen und Profile bringt eine ganz neue Dimension in die Jobsuche“, so Svenja Hofert. An der Universität Münster haben sich Studenten der Internet-Spezialistin und Soziologin Katy Teubener mit dem Thema Bewerbungsvideos befasst. Dabei sind sie zu dem Schluss gekommen, dass das Bewerbungsvideo als Ergänzung oder als Ersatz für die klassische Bewerbung Sinn machen kann. Das gelte für Stellen, bei denen es auf das persönliche Auftreten ankommt.

Über das Internet zum Traumarbeitgeber

Allerdings sollten die Kandidaten vorab einen Kurs in Rhetorik belegen. Eine andere Projektgruppe hat sich mit Bewerbungshomepages auseinandergesetzt. Kommerzielle Anbieter liefern unterschiedliche Designvorlagen für die Selbstpräsentation im Netz und verwalten die Domain. „Aber Vorsicht - Adressen wie www.teubener-sucht-job.de sind keine gute Referenz“, warnt die Dozentin.

Nicht jeder Bewerber braucht eine eigene Homepage oder einen Blog: „Ich kann mich nicht nur auf ein Medium verlassen“, sagt Prof. Christoph Beck. Der Dozent für Personalwesen an der Fachhochschule Koblenz rät zur Crossmedialität: Zwar suchten mehr als 80 Prozent der Bewerber zunächst im Internet nach Stellen. Karrieremessen, Anzeigen in Printmedien und persönliche Empfehlungen besäßen aber immer noch eine sehr große Bedeutung bei der Jobsuche.

Bevor sich Bewerber Gedanken machen, über welches Medium sie Arbeitgeber erreichen, müssen sie sich über ihre eigenen Wünsche und Fähigkeiten im Klaren sein. Die Suche ist laut Beck häufig zu angebotsorientiert: Nicht suchen, was der Markt hergibt, sondern schauen, was man bieten kann - dafür sind soziale Netzwerke wiederum eine gute Schule.

Auch Nutzer von Netzwerken sollten auf korrekte Formen achten: „Kontaktaufnahmen ohne Anrede und Grußformeln, Mails die nicht beantwortet werden, all das nimmt zu“, klagt der Marketingexperte Raik Winkelmann. Viele Beiträge seien auch fehlerhaft. Dabei ist die Grundregel für 2.0 doch ganz einfach: „Geben Sie sich mit jedem auch noch so kleinen Beitrag, den Sie im Internet publizieren, Mühe - und zwar sowohl sprachlich als auch inhaltlich“, sagt Teubener. Der Text könnte zum Traumarbeitgeber führen.


 
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