Neue Job-Krankheit: Vom Stress, beschäftigt wirken zu müssen
VON ISABELLE SCHIFFER - zuletzt aktualisiert: 12.04.2007 - 22:10Düsseldorf (RPO). In weit mehr Jobs als vermutet herrscht tödliche Langeweile. Viele sind bei ihrer Arbeit systematisch unterfordert. Und während alle vom Burnout sprechen, schlägt in vielen Fällen der Boreout zu: Der Stress, beschäftigt wirken zu müssen.
Ein neues Phänomen macht sich in der Arbeitswelt breit: Mitarbeiter fühlen sich durch eintönige Arbeit unterfordert. Als Arbeitnehmer resigniert man und ist am eigenen Job nur noch mäßig interessiert. Doch schon aus Angst um den Arbeitsplatz muss man beschäftigt wirken. Das sind typische Symptome des Boreout.
Philippe Rothlin und Peter R. Werder gehen in ihrem Buch "Diagnose Boreout. Warum Unterforderung im Job krank macht" (erschienen im Verlag Redline Wirtschaft) dem neuen Phänomen auf den Grund.
Dass Stress am Arbeitsplatz dazugehört, ist klar. Wer nicht gestresst ist, ist scheinbar nicht wichtig. Insgesamt 27 Prozent aller europäischen Arbeitmehmer fühlen sich gestresst. In dem Buch interessieren sich die beiden Autoren aber um die restlichen 73 Prozent. Das sind die Arbeitnehmer, die sich zwischen "Stressaufkommen gerade richtig" und "unterfordert" sehen. Es geht also nicht ums Burnout, sondern um den Boreout. "Ist ein Arbeitnehmer unterfordert, desinteressiert und unendlich gelangweilt und versucht zudem - paradoxerweise - diesen Zustand aktiv zu erhalten, dann leidet er eindeutig am Boreout", so die beiden Autoren.
Boreout-Strategien
Und hier sind die Chefs gefragt. Sie sollten erkennen, wenn sich ihre Mitarbeiter in diesem Zustand befinden. Wie aber eine Krankheit erkennen, die äußerlich nicht sichtbar ist? Die Antwort darauf sind die so genannten Boreout-Strategien, derer sich die Mitarbeiter bedienen. Dazu gehört beispielsweise die Dokumentenstrategie oder die Flachwalzstrategie. Wer als Chef auch nur eine davon bei seinen Untergebenen entdeckt, der sollte schleunigst etwas dagegen tun.
Oder aber erkennen Sie als Arbeitnehmer eine dieser Strategien wieder, die Sie selber gerne anwenden? Dann sind Sie eindeutig ein gefährdeter Boreout-Kandidat und sollten die Krankheit bekämpfen.
Acht Boreout-Strategien haben wir für Sie oben rechts zusammengefasst.
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