Die Deutschen müssen sich mit bundesweiten Warnstreiks im öffentlichen Dienst auseinandersetzen. Was die Auswirkungen für Arbeitnehmer bedeuten, erfahren Sie hier:
Darf ich mein Kind mit zur Arbeit nehmen, wenn die Tagesstätte streikt?
Grundsätzlich geht das nicht, wie der Heidelberger Fachanwalt für Arbeitsrecht, Michael Eckert, erklärt. Dies sei nur dann möglich, wenn der Arbeitgeber das Mitbringen von Kindern ausdrücklich erlaube.
Was können Eltern stattdessen tun?
Zunächst müssen sich Eltern rechtzeitig über den möglichen Streik informieren und gegebenenfalls eine Unterbringungsmöglichkeit suchen. Falls sie vom Warnstreik überrascht werden und die Kindertagesstätte keine Notfall-Versorgung anbietet, müssen Eltern schnell handeln. "Ich kann das Kind nicht auf der Straße aussetzen", sagt Eckert. Eltern müssten aber unverzüglich dem Arbeitgeber über ihre Verspätung bescheid geben. Das Wichtigste dabei: Arbeitnehmer müssen sich um eine mit dem Arbeitgeber einvernehmliche Lösung bemühen.
Kann mein Chef mich abmahnen, wenn ich wegen meines Kindes zu spät komme?
Wer vom Streik überrascht wird, rechtzeitig im Unternehmen anruft und sich redlich um eine Problemlösung bemüht, dem kann laut Rechtsexperte Helmut Platow von der Gewerkschaft ver.di nichts passieren. Ermahnen oder sogar abmahnen kann der Arbeitgeber erst, wenn der Arbeitnehmer seine Pflichten verletzt. Rechtsanwalt Eckert warnt: Auf keinen Fall dürfe man etwa eine schlichte SMS an den Chef schreiben mit dem Inhalt: "Ich komme heute nicht."
In welchen Fällen darf man zu Hause bleiben?
Das geht laut Eckert nur dann, wenn sich gar keine andere Lösung für das Kind findet. Dann solle man einvernehmlich mit dem Vorgesetzten klären, ob man einen Tag Urlaub nehmen könne.
Was kann man tun, wenn Bus, Bahn oder Straßenbahn nicht kommen?
Wie ein Arbeitnehmer zur Arbeit kommt, ist grundsätzlich sein Problem. "Man muss zumutbare Anstrengungen unternehmen", sagt Eckert, der auch Vorstandsmitglied des Deutschen Anwaltvereins (DAV) ist. Zehn Euro für ein Taxi auszugeben, sei durchaus zumutbar; eine Fahrt von Mannheim nach Frankfurt müsse man aber nicht unbedingt finanzieren.
Wer ersetzt mir die Kosten, die ich durch den Streik habe?
Niemand. Das Recht zum Streik als Mittel der Tarifauseinandersetzung ist im Grundgesetz verbrieft, wie Eckert erklärt. Die Streikenden dürfen aber nicht andere Menschen in ihrer Freiheit einschränken. So darf niemand daran gehindert werden, seinen Betrieb zu betreten. Auch darf ein U-Bahn-Fahrer nicht mitten im Tunnel in den Ausstand treten. Doch am nächsten Bahnhof dürfte er den Betrieb einstellen - vorausgesetzt, die Fahrgäste haben eine Möglichkeit, von der Station auf anderem Wege wegzukommen.
Was ist, wenn ich ins Krankenhaus muss?
Wer aufschiebbare Termine in einem öffentlichen Krankenhaus hat, muss diese möglicherweise verschieben. Wieder gilt: Am besten fragt man rechtzeitig nach. Wer ernsthaft krank ist, wird aber selbstverständlich weiterhin behandelt, wie die Experten von DAV und ver.di beteuern.
Wo kann man sich über Streiks informieren?
Die Gewerkschaften wollten mit dem Streik die Arbeitgeber treffen, nicht die Allgemeinheit, sagt Ver.di-Jurist Platow. "In der Regel wird er da, wo es brenzlig wird, vorher angekündigt." Man könne entweder direkt bei der Gewerkschaft anrufen oder auch bei der Einrichtung, von der man abhänge, etwa bei der Verkehrsgesellschaft.