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22 Prozent weniger Gehalt: Warum Frauen so schlecht verdienen

zuletzt aktualisiert: 09.06.2008 - 12:37

Düsseldorf (RPO). Der EU-Gehaltsvergleich zeigt: Frauen in Europa verdienen deutlich weniger als Männer und in Deutschland ist der Unterschied mit 22 Prozent besonders hoch. Der Grund für das geringere Gehalt ist nicht einfach das Geschlecht. Woran es tatsächlich liegt.

22 Prozent pro Stunde verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen. Das ist das Ergebnis einer EU-Statistik. Damit ist Deutschland im EU-Vergleich eines der Schlusslichter. Nur in Estland, Zypern und der Slowakei sind die Gehaltsunterschiede ähnlich hoch oder noch höher. Warum verdienen ausgerechnet in Deutschland Frauen so viel weniger als Männer?

Die europaweiten Zahlen sind zunächst trügerisch. So erläutert EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla in der Tageszeitung „Die Welt“: Es gehe nicht um die unterschiedliche Bezahlung für gleiche Arbeit. Ein wichtiger Grund für das große Lohngefälle in Deutschland sei vielmehr, dass viele Frauen Teilzeit arbeiteten. Darüber hinaus sei das Gefälle deshalb so hoch, weil auch die Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt vergleichsweise höher ist als zum Beispiel in Malta. Dort bekommen Frauen im Schnitt nur drei Prozent weniger Lohn pro Stunde. Generell gelte: Je weniger Frauen überhaupt am Arbeitsmarkt tätig sind, umso niedriger sei auch das Lohngefälle.

„Die Lohnlücke rührt nicht allein daher, dass Männer Männer und Frauen Frauen sind“, schreiben auch die Autoren einer Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) kürzlich veröffentlicht hat. Der große Gehaltsunterschied, heißt es dort, (die Autoren Christina Anger und Jörg Schmidt nennen sogar durchschnittlich 28 Prozent weniger Stundenlohn) ergebe sich aus mehreren Faktoren. Dazu zählen die Qualifikation, die Branche, Auszeiten wegen der Familie und die Arbeitszeit.

Qualifikation: Noch ist der Großteil der Männer besser qualifiziert als die Frauen. Allerdings holen die Frauen auf, dieser Unterschied müsste also bald behoben sein.

Anders sieht es mit den Branchen und Berufswahl aus: Frauen arbeiten tendenziell eher in Firmen und Berufen, die sich besser mit Familienaufgaben vereinbaren lassen. So sind beispielsweise nur 18 Prozent der Männer aber 45 Prozent der Frauen im sogenannten sonstigen Dienstleistungsgewerbe tätig. Sie arbeiten in eher schlecht bezahlten Assistenten- oder Pflegeberufen. Im besser zahlenden Verarbeitendem Gewerbe arbeiten dagegen nur zwölf Prozent der Frauen aber 28 Prozent der Männer.

Familie und Kinder: Ein weiteres großes Manko beim Verdienst sind Kinder. Frauen ohne Kinder verdienen laut der IW-Studie nur 13 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Frauen mit Kindern dagegen bekommen ein gutes Viertel weniger Gehalt. Auch längere Auszeiten durch die Kindererziehung schlagen sich auf das Einkommen nieder.

Arbeitszeit: Vor allem verdienen Frauen allerdings deshalb weniger, weil sie häufig gar nicht Vollzeit arbeiten. Im Schnitt ist nur jede zweite erwerbstätige Frau in Deutschland Vollzeit beschäftigt. Von den arbeitenden Müttern sogar nur jede vierte.

Besonders gut schneiden dagegen Frauen ab, die nur eine sehr kurze Babypause eingelegt haben und nach weniger als einem Jahr wieder Vollzeit an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sind. Diese Frauen verdienen im Schnitt nur sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Solche Frauen hatten möglicherweise schon vorher gute Karrierechancen und ein überdurchschnittliches Gehalt, waren also motiviert, schnell wieder in den Job einzusteigen, schlussfolgern die Autoren der IW-Studie.

Wie EU-Sozialkommissar Spidla plädieren auch die Autoren der IW-Studie deshalb für bessere Möglichkeiten der Kinderbetreuung, um die großen Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen zu überwinden.


 
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