Karrierekiller Internet: Wenn der Personalchef mitliest
zuletzt aktualisiert: 17.03.2008 - 08:09Düsseldorf (RPO). Social Networks wie StudiVZ und Xing boomen. Vor kurzem hat die US-Plattform Facebook ein deutschsprachiges Angebot gestartet. Doch Online-Netzwerke bergen auch Risiken. Vermehrt checken Personalchefs die Profile auf Peinlichkeiten.
Laut "Mediascope Europe" surfen rund 43 Millionen Deutsche regelmäßig im Internet. Forsa berichtet, dass vier von zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen bereits ein Profil bei einem Online-Netzwerk haben, fünf von sechs nutzen das Netz täglich oder mehrmals pro Woche.
Wer auf den virtuellen Streifzügen durch Blogs, Foren und Communities unvorsichtig ist, arbeitet freiwillig an der Abschaffung seiner Privatsphäre. Ob dümmliche Kommentare oder peinliche Fotos, das Netz vergisst nichts. Das wissen auch Personalverantwortliche in Unternehmen und Headhunter, die auf der Suche nach geeigneten Bewerbern sind.
Jeder dritte Personaler und Headhunter prüft bei Bewerbungen die virtuellen Finderabdrücke der Aspiranten mit Hilfe von Google oder der Personensuchmaschine yasni, bevor die Einladung zum Vorstellungsgespräch rausgeht. Das ergab eine Befragung des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) im Herbst vergangenen Jahres.
Über die Hälfte der Headhunter haben schon einmal infolge ihrer Recherche einen Kandidaten noch vor dem persönlichen Treffen aus dem Rennen geworfen. Die Bedeutung dieses webbasierten Auswahlverfahrens steigt in dem Maße, in dem die allgemeine Internetnutzung zunimmt und immer mehr Anbieter von Online-Communities auf den Markt drängen.
Peinliche Fotos können entfernt werden
Doch es gibt Möglichkeiten peinliche Fotos und dergleichen wieder aus dem Netz zu nehmen. Seit Januar ist in Deutschland "reputation defender" auf dem Markt. Das Unternehmen verspricht mittels eines freundlichen Anrufs oder notfalls eines Gerichtsverfahrens diese Dinge zu löschen.
Der Rufrettungsdienst kostet einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von rund sechs Euro, jeder Löschvorgang schlägt mit weiteren 20 Euro zu Buche. Ein Zusatzangebot richtet sich an vorsichtige Eltern: MyChild hält die Eltern für ebenfalls sechs Euro in monatlichen Reports darüber auf dem Laufenden, auf welchen Seiten sich das Kind herumtreibt.
Grundsätzlich gilt: Wer missliebiges Material über sich oder Familienangehörige im Netz entdeckt, das um die berufliche Zukunft bangen lässt, kann sich auch ganz unbürokratisch an den Anbieter der jeweiligen Seite wenden und um Entfernung bitten - und sich die Entsorgungsgebühr von 20 Euro sparen.
Kriminelle hingegen nutzen die Social Networks um leicht an persönliche Daten zu kommen. Diese nutzen sie für gezielte Attacken gegen die Nutzer, beispielsweise für personalisierte Spam- und Phishing-Attacken. Aber auch Viren und Trojaner gelangen leichter auf die Rechner der User.
Plattformen bieten auch Chancen
Doch die Communities bieten auch Chancen. Die Internetseite "Xing" ist ein virtueller Business-Club. Im Februar diesen Jahres zählte er über fünf Millionen Mitglieder aus 190 Ländern.
So gehören zehn Prozent der Einwohner Münchens zur Community. „Auf Xing haben die Mitglieder die Möglichkeit, neue geschäftliche Kontakte zu entdecken, zu pflegen und zu vertiefen. Kommen auf dieser Basis Geschäftsabschlüsse zustande, dann zahlt sich Networking auch finanziell aus“, sagt Lars Hinrichs, Gründer des Netzwerks.
Bei Xing können die Mitglieder ein Profil mit ihren Business- und Kontaktdaten anlegen. Mit den Funktionen der Plattform wird auf dieser Basis eine gezielte Suche nach Kontakten, Mitarbeitern, Jobs oder Aufträgen möglich. Diese Suche nutzen dann wieder die Headhunter. Allerdings nicht um Gespräche zu vermeiden, sondern um neue Arbeitnehmer für ihre Auftraggeber zu finden.
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