Meetings: Wie man das Schweigen bricht
VON JANINA RAUERS - zuletzt aktualisiert: 11.11.2008 - 11:43Düsseldorf (RPO). Der Chef erntet auf seine Frage im Meeting nur betretenes Schweigen. Keine angenehme Situation – für alle Beteiligten. Doch es gibt Strategien, mit denen sich die Schweigemomente verkürzen oder ganz vermeiden lassen.
Für den Chef ist die Situation ein Gräuel: Auf seine Frage im Meeting kommt keine einzige Antwort. Stattdessen herrscht beharrliches Schweigen. Blickkontakte zum Gesprächsleiter werden tunlichst vermieden, niemand sagt etwas.
„Schweigen taucht in Meetings und Konferenzen immer wieder auf“, weiß Christian Zielke, Professor für Kommunikation in der Wirtschaft, Personalmanagement und Personalentwicklung an der Fachhochschule Gießen. Etwa 70 bis 75 Prozent der Mitarbeiter vermeiden es, sich in Konferenzen zu Wort zu melden. Potenzial, das ungenutzt bleibt.
Schweigen wird negativ gedeutet
„Schweigen spricht nicht für eine gute Unternehmenskultur. Denn es ist wichtig, Mitarbeiter zu mobilisieren“, erklärt der Experte und betont, dass Meetings wichtige Hilfen bei der Selbstdarstellung und der Karrieregestaltung sind – doch wer schweigt, hat von vornherein verloren. Schweigen wird negativ wahrgenommen. „Schweigen wird bei uns als passiver Widerstand gedeutet. Wer schweigt, statt zu antworten, zeigt, dass er nicht interessiert oder nicht einverstanden ist“, sagt Zielke.
Diese Bewertung gelte aber nur für den westlichen Kulturkreis. In Asien wird Schweigen ganz anders aufgefasst, erzählt Zielke: „In Japan werden drei Minuten Schweigen als angenehm empfunden.“ Dort sei es durchaus üblich, gleichzeitig die Augen zu schließen und in Ruhe über die vorgestellte Idee nachzudenken.
Mut zu warten
Ziemlich unvorstellbar für eine Konferenz, an der Deutsche oder Europäer teilnehmen. Doch Germanistik-Dozentin Marita Pabst-Weinschenk von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf bewertet Stille in europäischen Konferenzen nicht völlig negativ. Denn Schweigen müsse nicht sofort als Motivationsproblem verstanden werden. Sie rät Chefs zu mehr Gelassenheit: „Der Gesprächsleiter braucht Mut zu warten, denn die Teilnehmer brauchen Zeit, um sich auf Neues einzustellen. Gerade überraschende Fragen in die Runde führen deshalb zunächst oft zu Schweigen.“
Denn eine Konferenz unterscheidet sich grundsätzlich von einem Gespräch unter Kollegen. Dafür sorgt die Tagesordnung und vor allem die Anwesenheit des Gesprächsleiters: „Er leitet die Runde – entweder aufgrund seiner Position oder weil er zuvor formal gewählt wurde. Die anderen in der Gruppe fühlen sich dadurch weniger dafür verantwortlich, dass die Konferenz ein Erfolg wird.“
Tipps, wie Gesprächsleiter am besten mit dem unbeliebten Schweigen umgehen oder es sogar ganz vermeiden können, gibt es hier.
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