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Düsseldorf
Betriebe statt Anwohner sollen Häfen nutzen

Düsseldorf. Der NRW-Verkehrsminister hat ein neues Hafenkonzept entwickelt: Bei 13 Häfen sollen Flächen der Wirtschaft gehören. Von Jan Peter Naumann

Mit einem neuen Wasserstraßen- und Hafenkonzept will Nordrhein-Westfalen seine Logistik stärken. In einem 115 Seiten starken Papier, dass am Montag vorgestellt wird, setzt das Verkehrsministerium Prioritäten bei der Nutzung der Hafengebiete: Die Flächen sollen nicht für schicke Wohnprojekte, sondern vor allem für Logistiker zur Verfügung gestellt werden. Dazu wird im Landesentwicklungsplan der Schutz bestehender Hafengebiete festgelegt. Auch stadtplanerische Überlegungen, die eine weitere Hafennutzung in Frage stellen könnten, sollen beschränkt werden.

Dabei geht es vor allem um die 13 "landesbedeutsamen" Häfen Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Emmerich, Hamm, Köln, Krefeld, Minden, Neuss, Rheinberg, Voerde und Wesel. Sie haben zum Beispiel ein Umschlagvolumen von über zwei Millionen Tonnen pro Jahr oder eine besondere standortpolitische Bedeutung. An diesen 13 Standorten will das Land Bereiche für hafennahe gewerbliche und industrielle Nutzungen sichern.

Damit auch die Kanalhäfen vom Wachstum des Containerverkehrs profitieren können, will die Landesregierung eine mehrlagige Befahrbarkeit der Kanäle erreichen. Das heißt, dass die Schiffe auch mehrere Lagen Container übereinander stapeln können. Noch ist das wegen zu geringer Brücken-Höhen nicht überall möglich. Dafür will sich das Land beim Bund einsetzen. Außerdem unterstützt NRW die Entwicklung neuer Schiffstypen für den Einsatz auf Kanälen.

Natürlich spielt auch die Hinterland-Anbindung der Binnen- mit Seehäfen eine wichtige Rolle. Das Konzept erwähnt die Fortführung des "Eisernen Rheins" und der "Betuwe Linie" (Schienenanbindung Antwerpens und Rotterdams). Damit sollen Wettbewerbsnachteile für die Binnenhäfen vermieden werden, die durch die Konzentration von Container- und Logistikstandorten im grenznahen Raum der Niederlande und Belgiens entstehen.

Zudem stößt die Landesregierung die Gründung einer Gesellschaft "Marketing Häfen und Logistik in NRW" an. Sie soll als Dachmarke zur Imagewerbung der nordrhein-westfälische Häfen beitragen.

Logistik ist für NRW ein zentrales Wachstumsfeld: 28.000 Unternehmen erwirtschaften hier jährlich einen Umsatz von 70 Milliarden Euro und haben 317.000 Beschäftigte. Das Land erwartet, dass die Logistik eine Wachstumsbranche bleiben wird. Zudem soll die Binnenschifffahrt ausgebaut werden, um den wachsenden Verkehr möglichst klimafreundlich abzuwickeln.

Der Autor ist Redakteur der "DVZ Deutsche Verkehrs-Zeitung".

Quelle: RP
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