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Düsseldorf
Bewegung im Metall-Tarifstreit

Düsseldorf. Die Arbeitgeber pochen auf flexible Abschlüsse und deuten an, dass NRW Pilotbezirk werden könnte. Von Maximilian Plück

Derzeit überzieht die IG Metall die Metall- und Elektroindustrie bundesweit mit massiven Warnstreiks. Im Raum steht die Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn für die 3,8 Millionen Beschäftigten von Deutschlands größter Branche. Der Ton ist gereizt wie lange nicht mehr. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann drohte gar mit Urabstimmung und Streik, sollten die Arbeitgeber nicht nachbessern.

Nun kommen aus deren Lager Signale der Entspannung: Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer von Metall NRW, sagte unserer Redaktion: "Die NRW-Metallarbeitgeber sind gewillt, schnell und lösungsorientiert zu verhandeln." Die Zeit des Taktierens sei vorbei. "Das sind wir den Mitgliedsfirmen schuldig, die in einer konjunkturell nicht einfachen Situation keine weiteren Schäden hinnehmen sollen."

Laut IG Metall haben sich in Nordrhein-Westfalen seit dem Ende der Friedenspflicht am 29. April 73.500 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt. "Dies geschieht, obwohl die Arbeitgeberseite ununterbrochen verhandlungsbereit ist", kritisierte Mallmann und forderte die IG Metall auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Der Streik kann nur die letzte Möglichkeit einer Auseinandersetzung sein. Dieser Zustand ist noch nicht erreicht."

Mallmann zufolge werde es jedoch "keine Einigung um jeden Preis geben". Er verlangte, dass der Abschluss eine sogenannte differenzierende Wettbewerbskomponente enthalten müsse. "Diese Komponente ist für uns keine Streich-Forderung." In klar definierten Fällen müsse es den Unternehmen erlaubt sein, von dem getroffenen Abschluss abzuweichen. "Wenn 30 Prozent der Unternehmen keine oder nur unbedeutende Gewinne erwirtschaften, ist eine solche Maßnahme nicht zuletzt für den Zusammenhalt des Tarifkonvois unerlässlich", sagte der Arbeitgebervertreter. "Ohne diese Wettbewerbskomponente wird es in NRW nicht gehen." Vor allem mittelständische Unternehmer in NRW verlangten ein solches Differenzierungs-Instrument, das es ihnen erlaubt, schnell zu reagieren.

Mallmann schloss nicht aus, dass NRW zum Pilot-Bezirk werden könne: "Das Tarifgebiet NRW, das so viele Mittelständler vereinigt wie kein anderes in der Republik, ist ein guter Austragungsort für dieses Thema."

Die Gewerkschaft hatte Forderungen nach Abweichungsmöglichkeiten für krisengebeutelte Unternehmen zuletzt wiederholt zurückgewiesen. Die IG Metall verweist in diesem Zusammenhang auf das sogenannte "Pforzheimer Abkommen". Firmen können damit schon heute mit Zustimmung der Tarifpartner vom Flächentarifvertrag abweichen.

Mallmann erklärte zwar, das Abkommen habe "unbestritten zur Akzeptanz des Systems Flächentarifvertrag beigetragen". Die Erfahrungen aus der betrieblichen Praxis hätten die Arbeitgeber aber auch gelehrt, dass dieses System zu schwerfällig sei, um schnellere Kurskorrekturen vornehmen zu können.

Quelle: RP
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