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Frankfurt
Bilfinger nach nur elf Monaten wieder auf Chefsuche

Frankfurt. Mitten in der schwersten Krise der Firmengeschichte verliert der angeschlagene Bau- und Ingenieurdienstleister Bilfinger seinen Chef. Der Norweger Per Utnegaard (56) scheidet nach nur elf Monaten im Amt völlig überraschend zum Ende dieses Monats aus. Die Entscheidung habe rein persönliche Gründe, hieß es aus Unternehmenskreisen. Es sei eine freundschaftliche Trennung ohne Abfindung. Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Vorerst übernimmt Finanzvorstand Axel Salzmann auch den Chefposten.

Bilfinger steckt seit fast zwei Jahren in der Krise. Ausgangspunkt war das verlustreiche Kraftwerksgeschäft. Die Energiewende und Managementfehler ließen die Aufträge zur Konstruktion und Wartung von Kraftwerken einbrechen. Vorstandschef Roland Koch, der frühere hessische Ministerpräsdident, musste nach mehreren Gewinnwarnungen gehen. 2015 verbuchte Bilfinger einen Rekordverlust von knapp einer halben Milliarde Euro.

Mittlerweile belasten auch der niedrige Ölpreis und die schwache Konjunktur das Geschäft. Innerhalb kurzer Zeit wurde fast der komplette Vorstand ausgewechselt, rund 2000 Jobs fielen weg. Der Hauptaktionär Cevian, ein schwedischer Finanzinvestor, stockte seinen Anteil auf gut 25 Prozent auf und übernahm die Kontrolle. Durch die Krise hat die Aktie massiv an Wert verloren. Gestern rutschte der Kurs zeitweise um mehr als vier Prozent ab.

Der Konzern schrumpft. Das kleine Geschäftsfeld Wassertechnologie wurde bereits für gut 200 Millionen Euro veräußert, die verlustreiche Kraftwerkssparte steht zum Verkauf. Hier werde geprüft, ob auch ein Verkauf in Teilen möglich sei, hieß es aus Unternehmenskreisen. Seit Januar wird auch ein Verkauf von "Building und Facility" (Bau- und Immobiliengeschäft) geprüft, da sich mehrere Kaufinteressenten gemeldet hätten.

Eine Entscheidung soll voraussichtlich bis zur Hauptversammlung am 11. Mai fallen. Gespräche, so heißt es, liefen noch mit der französischen Engie und dem Finanzinvestor EQT. Bilfinger verlangt angeblich 1,3 Milliarden Euro, potenzielle Käufer wollen dem Vernehmen nach nicht mehr als 1,1 Milliarden Euro zahlen.

(rtr)
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