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Nürnberg
Bio-Essen gibt es jetzt auch aus der Tüte

Nürnberg. Die internationale Naturkostmesse Biofach zeigt Trends der Branche. Dazu gehört auch "Supergrain".

Es war eines der "Sakramente" der einstigen Bio-Bewegung: Auf den Tisch kommen nur frische, unverarbeitete Lebensmittel, dabei möglichst noch aus eigenem Anbau - zeitaufwendiges Gemüse-Schnippeln inklusive.

Die Nachkommen der Bioladen-Gründer scheinen das - gemessen an den neuen Trends - entspannter zu sehen. Ob Drei-Korn-Puffer oder Buchweizensuppe: Für Ernährungsbewusste mit wenig Zeit gibt es inzwischen auch Bio aus der Tüte. "Fixgericht" nennt das die Branche. Schließlich sollten die Tütensuppen mit Trockenzutaten aus biologischem Anbau nicht unbedingt mit den Fertiggerichten und Instant-Suppen der Elterngeneration verwechselt werden.

Der neue Trend sei "Ready to Eat", bequemes Essen für Ernährungsbewusste, erklärt Petra Wolf von der Nürnberger Messe, wo gestern die die internationale Naturkostmesse Biofach startete. "Es muss heute eben schnell gehen, gekocht wird ja oft nur noch am Wochenende."

Die Buchweizen-Tütensuppe gehört dabei mit 25 Minuten Zubereitungszeit bereits zu den zeitlich aufwendigeren Bio-Fixgerichten. Der "Quinoa-Cup Orientalisch" stehe, so das Firmenversprechen, nach sechs Minuten auf dem Tisch.

Viele Hersteller packen in die Fixgerichte gleich die "Supergrains" mit rein - eine weitere Entwicklung auf der diesjährigen Biofach. Diese Supergetreide, so erklärt das Naturkost-Kundenmagazin "Schrot und Korn", seien "Körner, die mehr können als herkömmliche Getreide".

Sie enthielten Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren, sättigende Kohlenhydrate und viel hochwertiges Eiweiß. Ein "Supergrain" ist beispielsweise Quinoa. Der Samen wird aus Südamerika importiert - was eigentlich dem Bio-Trend widerspricht, dass Verbraucher eher regionale Produkte bevorzugen.

Die Widersprüchlichkeit macht deutlich: Rund 40 Jahre nach der Gründung der ersten "Körner-Läden" steckt die Naturkost-Szene im Umbruch. Viele Naturkostläden gleichen inzwischen kleineren Supermärkten. Von den 93 im Vorjahr neu eröffneten Naturkostläden in Deutschland seien mehr als die Hälfte über 400 Quadratmeter groß, sagt Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundes Naturkost Naturwaren (BNN).

Der Gesamtumsatz mit Naturkost, also auch die Verkäufe im Supermarkt, stieg um elf Prozent auf 8,62 Milliarden Euro. Rund 84 Prozent der Betreiber von Naturkostläden erwarteten auch für dieses Jahr steigende Umsätze, ergab eine Umfrage der Nürnberger Messe. Dafür wollen sie stärker als bisher auf den Online-Handel setzen.

(dpa)
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