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Wall Street
Schwächster US-Börsenstart seit 2008

Das 1x1 der Börsensprache
Das 1x1 der Börsensprache FOTO: AP
New York. Hiobsbotschaften aus China haben der Wall Street am Montag einen enttäuschenden Jahresauftakt eingebrockt. Schwächer war der US-Leitindex zuletzt 2008 gestartet, als die Finanz- und Wirtschaftskrise mit der Insolvenz von Lehman Brothers ihren Höhepunkt erreichte.

Der Dow Jones Industrial schloss nach zwischenzeitlich deutlicheren Abschlägen mit einem Minus von 1,58 Prozent bei 17 148,94 Punkten. Nach Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg hat der erste Handelstag allerdings wenig Aussagekraft für das restliche Jahr - eine klarere Indikation könne die Bilanz zum Ende des Börsenmonats Januar liefern.

Der marktbreite S&P-500-Index sank am Montag letztlich um 1,53 Prozent auf 2012,66 Punkte. Für den technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 2,08 Prozent auf 4497,86 Punkte nach unten.

Überraschend schwache Stimmungsdaten aus der Industrie ließen die chinesischen Festlandsbörsen um über 7 Prozent einbrechen, was zu einer vorzeitigen Beendigung des dortigen Handels führte. Nach den anderen asiatischen und den europäischen Aktienmärkten erreichte die Schockwelle aus China dann auch den amerikanischen Aktienmarkt.

Die kriselnde Wirtschaft Chinas startete mit weiteren Signalen der Schwäche ins neue Jahr und trübte die Laune der Anleger weltweit: Der vom chinesischen Wirtschaftsmagazin "Caixin" ermittelte Einkaufsmanagerindex sank im Dezember überraschend auf den tiefsten Stand seit September - Ökonomen hatten hingegen mit einem Anstieg gerechnet. Der Indikator lag zudem zum zehnten Mal in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, was auf ein Schrumpfen der industriellen Fertigung hindeutet.

Mit der vorzeitigen Einstellung des chinesischen Börsenhandels kam gleich am Tag seiner Einführung ein neuer Sicherungsmechanismus zum Zuge, der zu große Kursschwankungen verhindern soll. Experten rechnen nun mit weiteren Eingriffen seitens der chinesischen Führung.

Auch die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA gaben den Investoren wenig Grund zur Freude: Der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Dezember ebenso schlechter als erwartet aus wie die Bauausgaben im November. Lediglich der endgültige Industrie-Einkaufsmanagerindex des Markit-Insituts lag knapp über dem zuvor ermittelten Wert.

Vor allem in der Autoindustrie überwogen zum Jahresauftakt die Moll-Töne. Beim Elektroauto-Hersteller Tesla sorgten mäßige Absatzzahlen für Kursverluste von 6,92 Prozent. Besser hielten sich die Titel der klassischen Autobauer General Motors (GM) und Ford, die um 2,06 beziehungsweise 0,85 Prozent nachgaben.

Die Aktien von Fiat Chrysler standen auch bereinigt um die endgültige Abspaltung von Ferrari im Minus. Nach dem New Yorker Börsengang im Oktober wurden die Papiere des italienischen Sportwagen-Bauers nun erstmals an der Mailänder Börse gehandelt. Ohne die Gewinne der Ertragsperle Ferrari wirkten die Umstrukturierungsziele von Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne noch ehrgeiziger, sagte ein Börsianer.

Deutliche Kursverluste verzeichneten Aktien aus der Bergbaubranche, die unter rückläufigen Preisen für Industriemetalle litten: Die Papiere des Aluminiumkonzerns Alcoa sanken um 1,62 Prozent, während die Titel des Bergbauunternehmens Freeport McMoran 3,25 Prozent einbüßten.

Die Aktionäre des erfolgsverwöhnten Streaming-Dienstes Netflix mussten einen Kursrutsch von 3,86 Prozent verkraften. Das Analysehaus Robert W. Baird hatte die Papiere abgestuft und bewertet sie nun nur noch neutral. Im vergangenen Jahr hatte die Aktie allerdings mit plus 134 Prozent den stärksten Wertzuwachs im Nasdaq 100 geschafft.

Ein Lichtblick Anfang 2016 waren Papiere des Arzneimittelherstellers Baxalta, denen Übernahmefantasien Schwung gaben: Sie legten gegen den Markt um 5,48 Prozent zu. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, die sich auf Unternehmenskreise beruft, befindet sich das Pharmaunternehmen in fortgeschrittenen Verhandlungen über eine Übernahme durch den britischen Konkurrenten Shire Pharmaceuticals.

Der Euro berappelte sich im New Yorker Handel etwas und kostete zuletzt 1,0833 US-Dollar. US-Staatsanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit profitierten von der weltweiten Börsenschwäche: Sie kletterten um 7/32 Punkte auf 100 2/32 Punkte und rentierten mit 2,24 Prozent.

(dpa / lukra)
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