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Gotthard-Tunnel
Bohrt für die Welt

Erstfeld/Schwanau. Mit dem Gotthard-Basistunnel hat der Deutsche Martin Herrenknecht sein Meisterstück geschaffen. Seine Maschinen haben den 57 Kilometer langen Tunnel durch die Schweizer Alpen gebohrt. Gestern wurde das Bauwerk eröffnet. Von Laura Ihme

Für die Eröffnung des wichtigsten Bauwerks der vergangenen 20 Jahre hat man in der Schweiz gestern einiges aufgefahren: Feuerwerk, Bühnenshow, Gratis-Bahnfahrt für die geladenen Gäste - die Feierlichkeiten zur Eröffnung des neuen Gotthard-Basistunnels sollen unterstreichen, welchen Meilenstein das kleine Land mit der neuen Verbindung quer durch die Alpen erreicht hat.

Entsprechend prominent ist auch die Gästeliste, außer dem Schweizer Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann sind auch Kanzlerin Angela Merkel, Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi und der französische Staatschef François Hollande angereist. Und noch ein anderer deutscher Ehrengast ist mit dabei: Martin Herrenknecht, Ingenieur aus Schwanau in Baden-Württemberg. Wenn es um das Projekt Gotthard-Basistunnel geht, ist er einer der wichtigsten Akteure. Denn seine Firma ist ein Grund, warum der Gotthard-Tunnel überhaupt existiert: Mit den Bohrern Gabi 1, Gabi 2, Sissi und Heidi hat die Herrenknecht AG den Ausbau des Tunnels quer durch die Alpen ermöglicht.

Zwei Röhren mit je 57 Kilometern Länge sind so entstanden. Rund 85 der insgesamt 114 Tunnelkilometer haben die bis zu 400 Meter langen Maschinen von Herrenknecht in den Berg gebohrt, sieben Jahre lang bis zum endgültigen Durchbruch im Jahr 2011. Erst nach ihrem Einsatz konnte der Innenausbau richtig beginnen, konnten Schienen verlegt und dem Tunnel der Feinschliff verpasst werden. Mit seinen beiden Röhren ist der Tunnel fortan der längste Eisenbahntunnel der Welt, soll Reisende schneller ans Ziel bringen und den Güterverkehr verbessern. "Der Gotthard-Tunnel ist wohl eines unserer wichtigsten, wenn nicht sogar das wichtigste Projekt unserer Firmengeschichte", sagt ein Sprecher des Unternehmens, das fast 5000 Mitarbeiter beschäftigt und sich auf den Bau von Bohrmaschinen für Tunnel aller Größen spezialisiert hat.

Gegründet wurde das Unternehmen 1975 als "Ingenieurbüro Martin Herrenknecht". Dieser hatte zuvor in Konstanz studiert und am Bau des Seelisbergtunnels in der Schweiz mitgearbeitet. Auf dieser Baustelle kam er erstmals mit einem großen Tunnelbohrer in Kontakt und beschloss anschließend, sich in diesem Metier selbstständig zu machen und eigene Tunnelvortriebsmaschinen zu entwickeln.

Das Geschäft lief gut an, Herrenknecht entwickelte immer größere Bohrmaschinen, stellte immer wieder Weltrekorde auf. 1996 etwa konstruierten der Ingenieur und seine Mitarbeiter für den Bau der vierten Röhre des Hamburger Elbtunnels den mit einem Durchmesser von 14,2 Metern größten Tunnelbohrer der Welt. Sein Name: Trude, ein Akronym für "Tief runter unter die Elbe". Doch es geht noch größer: Für einen Autotunnel in der spanischen Hauptstadt Madrid baute das Unternehmen 2005 mit 15,20 Meter Durchmesser einen wieder größeren Bohrer, aktuell wird mit einer noch größeren Maschine in Hongkong an einem Straßentunnel unter einem Meeresarm gearbeitet.

Die Herrenknecht AG ist bei all diesen Bauprojekten jedoch nur der Lieferant - sie fertigt die Bohrer, stimmt sie auf die Tunnel, die mit ihnen geschaffen werden sollen, ab, liefert und begleitet den Anfang der Bohrungen.

Zum Portfolio des Unternehmens gehören derweil nicht nur Projekte für riesige Straßentunnel, sondern es baut auch Maschinen für den U-Bahn-Bau, für Versorgungstunnel, Minen und für Ölbohrungen. Beim U-Bahn-Bau in Katar waren etwa jüngst 21 Bohrer aus Deutschland am Werk, die vor Kurzem eröffnete Wehrhahnline in Düsseldorf wurde ebenfalls mit Bohrern von Herrenknecht konstruiert.

Verglichen mit dem Gotthard-Tunnel wirken selbst diese Projekte klein. Der neue Tunnel sei das Herz, hat Kanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung gesagt. Nun fehle noch die Aorta, also die deutsche Verbindung zum Tunnel, deren Bauverzögerung gestern Vertreter aus Branche und Wirtschaft kritisierten. Grund für die Verzögerung sind die Ängste der Bürger vor mehr Lärm. Deshalb könnten auf der Strecke auch Tunnel entstehen - vielleicht ja mit Hilfe von Martin Herrenknecht.

Quelle: RP
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