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Washington
Bosch gerät im Abgasskandal unter Druck

Washington. Nach Volkswagen rückt nun ein anderer deutscher Konzern in den USA in den Mittelpunkt.

Der Autozulieferer Bosch ist nach Darstellung von privaten Klägern in den USA tief in den VW-Dieselskandal verstrickt. In beim Bezirksgericht San Francisco eingereichten Dokumenten zu einer Schadensersatzklage von VW-Autobesitzern gegen Bosch führten die Anwälte neue Details auf. So zitieren sie eine E-Mail vom Juni 2008, in der Bosch eine Betrugssoftware, ein sogenanntes "defeat device" erwähnt: Bosch fordere in der E-Mail von VW einen Haftungsausschluss von jeglichen rechtlichen Ansprüchen, die aus der Arbeit an einem defeat device entstehen könnten. In den Dokumenten heißt es, Bosch habe sein Wissen über die illegale Abschaltsoftware gegenüber den US-Behörden zurückgehalten.

Bosch erklärte, die Vorwürfe der Manipulation von Dieselsoftware sehr ernst zu nehmen und mit den Behörden zu kooperieren. Die Vorwürfe seien Gegenstand von strafrechtlichen Ermittlungsverfahren und Zivilgerichtsverfahren, zu deren Details sich der weltgrößte Autozulieferer nicht äußern wolle. "Wir arbeiten derzeit an der Klageerwiderung", ergänzte ein Sprecher.

Die Erkenntnisse der Klägeranwälte stammen aus Unterlagen, die Volkswagen im Zuge des Rechtsstreits mit Kunden über Schadensersatz für Hunderttausende manipulierte Dieselautos zugänglich machen musste. Dieses Verfahren endete mit einem Vergleich über 13,6 Milliarden Euro. VW hatte vor knapp einem Jahr zugegeben, Software der Motorsteuerung so manipuliert zu haben, dass Stickoxid-Grenzwerte nur auf dem Prüfstand, nicht aber im Straßenbetrieb eingehalten werden. Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen, in den USA knapp 600.000 Wagen.

Bosch lieferte das Programm für Motoren in den USA. Bei betroffenen VW-Modellen in Europa kam Technik von Continental zum Einsatz. Beide Zulieferer bestritten, an der Umprogrammierung ihrer Software beteiligt gewesen zu sein. Bosch erklärte kurz nach Bekanntwerden des Skandals, Komponenten an VW für die betroffenen Modelle in den USA geliefert zu haben. Für deren Einbau sei allein der Autobauer verantwortlich gewesen. Diese Stellungnahme wiederholte der Konzern aber nicht mehr und will sich zur Sache nicht äußern.

Neben den Privatklagen ermitteln auch Staatsanwaltschaften in den USA und Stuttgart gegen Bosch wegen seiner Beteiligung an dem mutmaßlichen Betrug. Der Konzern legte im vergangenen Jahr 650 Millionen Euro für Rechtskosten im Dieselskandal zurück, womit auch für eine Geldbuße in einem noch laufenden EU-Kartellverfahren gegen Zulieferer vorgesorgt ist.

In der Klageschrift erklären die US-Anwälte, dass Bosch-Chef Volkmar Denner bei einem Treffen mit dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn im Mai 2014 schon über die illegale Nutzung einer Betrugsvorrichtung im Bilde gewesen sei. Zu diesem Vorwurf wollte Bosch keinen Kommentar abgeben.

(rtr)
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