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Folgen des Brexit
Britischer Notenbankchef signalisiert geldpolitische Lockerung

Brexit: Britischer Notenbankchef signalisiert geldpolitische Lockerung
FOTO: afp, JASON ALDEN
London. Pfund-Absturz, Unsicherheit an den Märkten - nach dem Brexit-Votum hat der britische Notenbankenchef Mark Carney eine geldpolitische Lockerung signalisiert.

 "Die wirtschaftlichen Aussichten haben sich verschlechtert und eine geldpolitische Lockerung dürfte wahrscheinlich im Laufe des Sommers nötig sein", sagte Carney am Donnerstag in London. Es sei mit einer längeren Phase der Unsicherheit zu rechnen, die eine dauerhafte Belastung darstellen dürfte. Die Bank of England (BoE) werde nicht zögern zu handeln, sofern dies zur Stützung der Wirtschaft oder des Finanzsystems nötig sei.

Man habe nicht nur die Möglichkeit, den Leitzins zu senken, sagte Carney. Auch andere Maßnahmen würden in Erwägung gezogen. Die Notenbank werde zudem bis Ende September den Banken wöchentlich Liquiditätshilfe anbieten. Vor und nach dem Brexit-Votum hatte die Bank of England bereits mehrfach entsprechende Hilfskredite angeboten.

Derzeit gebe es keinen Anlass für Eingriffe in den Markt

Zu Markteingriffen zur Stabilisierung des britischen Pfundes sieht Carney derzeit keinen Anlass. Der Devisenmarkt habe nach dem Brexit-Votum weiterhin funktioniert. Eine Anpassung beim Pfund sei erwartbar gewesen. Das Pfund war nach dem Votum auf den schwächsten Wert seit 1985 gefallen.

Carney warnte, mehr als nun angekündigt könne er nicht tun, um die Wirtschaft zu schützen. Er verwies auf die Grenzen der Geldpolitik.
Sie könne "die wirtschaftlichen Folgen eines großen Negativ-Schocks nicht voll ausgleichen."

Die Wirtschaft hänge nun von "größeren Entscheidungen" ab, die andere treffen müssten, sagte Carney. Entscheidend sei, wie nach einem Ausstieg Großbritanniens aus der EU das künftige Handelsabkommen mit der Europäischen Union aussehen werde. Großbritannien brauche hierzu Klarheit.

Carney rechtfertigt sich für Warnung vor Brexit

Zudem sei eine umfassende Strategie für die künftige Zusammenarbeit des Landes mit der EU und dem Rest der Welt nötig. Besonders wichtige Themen dabei seien Handel, Migration, Kapitalverkehr und Regulierungen. Das britische Pfund fiel nach Carneys Äußerungen auf ein Tagestief, rutschte aber nicht unter den tiefsten Wert seit 1985 vom Montag.

Carney reagierte auch auf jüngste Kritik, er habe sich vor dem Brexit-Referendum mit Äußerungen über negative Folgen eines Brexit für die britische Wirtschaft zu sehr in die politische Sphäre eingemischt. Es sei "richtig gewesen, die Risiken zu identifizieren", sagte Carney. Im geldpolitischen Ausschuss der Notenbank seien sich darüber alle einig gewesen. Er habe damit lediglich "seinen Job" gemacht.

Carney reagierte indirekt auch auf Gerüchte, er könnte unter anderem wegen politischen Gegenwinds aus dem Lager der Brexit-Befürworter seinen Posten räumen. "Es wäre unverantwortlich, jetzt von seinen Aufgaben wegzulaufen", sagte Carney.

(rent/dpa)
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