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London/Düßeldorf
Brexit könnte NRW als Vodafone-Standort helfen

London/Düßeldorf. Vodafone prüft wegen des geplanten EU-Austritts von Großbritannien einen Umzug aus London. Es gibt gute Gründe für Düsseldorf. Von Kirsten Bialdiga und Reinhard Kowalewsky

Der in der westlichen Welt führende Mobilfunkkonzern Vodafone könnte schon bald einen Wegzug aus Großbritannien prüfen. Dies kündigte das Unternehmen gestern in einem Brief an Londoner Medien an. In Düsseldorf löste die Nachricht fast schon Euphorie aus, weil es eine Chance gibt, dass auch ein Umzug Richtung Rhein möglich ist - es wäre eine spannende Wende rückwärts: Vodafone ist heute nur so stark, weil vor 16 Jahren die Düsseldorfer Mannesmann AG für fast 200 Milliarden Euro übernommen wurde, um danach Mannesmann D2 zu integrieren.

Einen Umzug nach Düsseldorf ist aus Sicht von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) logisch: "Die Stadt ist seit Langem Sitz der größten Landesgesellschaft im weltweiten Vodafone-Verbund und ein idealer Standort mitten im europäischen Binnenmarkt." Er kündigt an: "In NRW rollen wir für weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses eng mit unserem Land verbundenen Unternehmens gerne den roten Teppich aus." Der Düsseldorfer CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek ergänzt: "Düsseldorf ist mit Newbury sowieso wichtigster Standort von Vodafone. Da wäre ein Umzug hierhin logisch." Und Toni Wolf, Betriebsratschef von Vodafone Deutschland, sagt: "Die Kollegen aus England wären willkommen"

Tatsächlich macht Vodafone eine klare Rechnung auf: Aktuell erwirtschafte man elf Prozent seines Gewinns im Heimatland, 55 Prozent des Profits werde allerdings in europäischen Ländern außerhalb von Großbritannien erzielt. Eine große Mehrheit der weltweit 462 Millionen Kunden käme nicht aus Großbritannien, ebenso wie nur ein Teil der 15.000 Zulieferer. Also gäbe es keinen Grund, an London und dem nahegelegenen Newbury als Zentrale festzuhalten, falls das Land die EU verlässt, so der Vorstand.

Als ersten Schritt hat der Konzern angekündigt, das Büro in Brüssel auszubauen - da geht es aber nur um Lobby-Arbeit. Jetzt hängt alles von der Politik ab. "Falls London bei den Verhandlungen zum EU-Austritt nicht durchsetzen kann, dass Großbritannien indirekt doch Teil des Binnenmarktes bleibt, sollte man den Brief schon sehr ernst nehmen", erklärt ein Vodafone-Manager gegenüber unserer Redaktion.

Paris und Brüssel scheiden als neue Zentralen eigentlich aus - denn in Frankreich und Belgien hat Vodafone keine Ländergesellschaft. Mailand würde Vorstandschef Vittorio Colao vielleicht privat bevorzugen - aber Italien ist abgelegen.

Am Ende könnte einiges für Düsseldorf sprechen. Die Vodafone Group beschäftigt schon einige hundert Leute auf dem Düsseldorfer Campus. Rund 1000 Büros auf dem Campus-Gelände könnten für neue Kollegen frei werden.

Wegen niedrigeren Steuern erwarten Insider bei den Finanzfunktionen eher einen Umzug nach Luxemburg, Niederlande oder Irland. Aber bei Technik und Marketing könnte Düsseldorf Jobs anziehen. "Wenn Deutschland Technikkennern von außerhalb der EU Arbeitserlaubnisse so schnell geben würde wie bisher in England, wäre das hilfreich", so ein Vodafone-Manager.

NRW-Invest will nun gezielt Investoren aus England weglocken. Am 22. September soll es ein Seminar in London geben. NRW-Invest-Chefin Petra Wassner: "Wir planen die Aktivitäten in London zu verstärken, insbesondere für Investoren aus Übersee, den USA, Indien, Japan, Korea und China, um unser Bundesland als attraktiven Standort zu präsentieren."

Quelle: RP
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