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London/Berlin
Britische Notenbank senkt Leitzins erstmals seit 2009

London/Berlin. Die britische Notenbank reagiert auf den Brexit-Schock mit einer Leitzinssenkung. Der Schlüsselsatz wurde von 0,5 Prozent auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gekappt, wie die Währungshüter mitteilten. Die Bank of England (BoE) lockerte damit erstmals seit März 2009 die Zügel, als sie gegen die Weltwirtschaftskrise ankämpfte. Nach der Brexit-Ankündigung steuert Großbritannien nun auf den stärksten Konjunktureinbruch seit sieben Jahren zu. Die Notenbank rechnet für 2016 mit einer konjunkturellen Stagnation und signalisierte, dass sie dieses Jahr zu einer weiteren Zinssenkung bereit sei.

Die Notenbank stockte auch ihr Staatsanleihen-Kaufprogramm um 60 Milliarden auf 435 Milliarden Pfund (514 Milliarden Euro) auf. "Damit wurden die Markterwartungen übertroffen. Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass die BoE für die Zukunft weitere Maßnahmen in Aussicht gestellt hat", sagte der Ökonom Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba. Im Juli hatte die Notenbank noch stillgehalten und die Anleger an der Börse damit auf dem falschen Fuß erwischt. Nun legte sie zwei neue Programme auf: Als zusätzliche Anschubhilfe sollen Unternehmensanleihen im Wert von zehn Milliarden Pfund angekauft werden. Komplettiert werden die Konjunkturspritzen durch ein Programm zur Förderung der Kreditvergabe.

Nach der Zinssenkung warfen die Anleger das Pfund Sterling aus ihren Depots. Die britische Währung brach um 1,3 Prozent auf 1,3158 Dollar ein. An den Aktienmärkten freuten sich die Investoren hingegen über den Geldsegen: Der "Footsie" in London weitete seine Gewinne aus und kletterte um 1,4 Prozent.

Aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesbank wirft das Brexit-Votum die Wirtschaft im Währungsraum dagegen nicht aus der Spur. Gestützt von der Binnennachfrage und einem moderaten Exportwachstum halte der Aufschwung in der Euro-Zone an, teilte die EZB in ihrem Wirtschaftsbericht mit und ergänzte: "Was die künftige Entwicklung betrifft, so dürfte sich die konjunkturelle Erholung in einem mäßigen Tempo fortsetzen." Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht den Ausblick durch das Votum nicht grundlegend verändert. "Es dürfte zwar einen kleinen Dämpfer geben, aber insgesamt wird sich die Aufwärtsbewegung fortsetzen", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit".

(rtr)
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