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Cebit
Bund will Milliarden in Glasfaser stecken

Hannover. Mehr Tempo im Netz ist ein wichtiges Thema auf der Cebit. Als Modellprojekt will die Stadt Düsseldorf Senioren künftig digital überwachen. Die Branche setzt zudem auf Virtual Reality mit 3-D-Brillen. Von Reinhard Kowalewsky

Braucht Deutschland leistungsfähigere Digitalnetze? Viele Projekte auf der Computermesse Cebit bestätigen dies. So zeigt das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DGFKI) den Besuchern, wie sie mit ihren Augen einen Roboter steuern können. "Wenn der Mensch in der Virtual-Reality-Brille einen Gegenstand auf dem gezeigten Tisch fixiert", erklärt Heike Leonhard, Sprecherin der DGFKI. "Dann ergreift der Roboter genau diesen Gegenstand." Wichtig ist dabei, dass Impulse zuverlässig und schnell durch das Netz geleitet werden", sagt Leonhard. "Sonst würde der Roboter bei beweglichen Zielen ja immer daneben packen, wenn er etwas greifen soll."

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat das Thema verstanden. Unter dem Druck der Wirtschaft stellte er gestern auf der Cebit ein Programm für den Ausbau der digitalen Netze in Deutschland vor, bei dem bis 2025 rund 100 Milliarden Euro investiert werden könnten. Das Ziel ist, dass Deutschland nahezu vollständig mit Glasfaser-Kabeln versorgt werden soll. Die gute Nachricht: Gabriel glaubt, dass rund 75 Prozent der Summe von privaten Firmen wie Telekom oder Vodafone aufgebracht werden, weil in den Städten Glasfaseranschlüsse pro Haushalt jeweils nur 500 Euro bis 1500 Euro kosten. Dies lässt sich mit etwas höherer Gebühr wieder reinholen.

Aber Gabriel will zudem zehn Milliarden Euro an Zuschüssen bereitstellen, damit sich Glasfaser auch auf dem Land lohnt: Als Ergebnis wäre in großen Gebieten ein Übertragungstempo von mehr als einem Gigabit pro Sekunde möglich - aktuell hofft die Bundesregierung, bis 2018 Breitbandanschlüsse von 50 Megabit/Sekunde zum Standard zu machen und verteilt dafür knapp drei Milliarden Euro an Zuschüssen.

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) begrüßt die Idee, skeptisch gibt sich Thomas Jarzombek, digitalpolitischer Sprecher der Union-Bundestagsfraktion aus Düsseldorf: "Erstens sollte der Wirtschaftsminister mehr für offene Märkte tun, statt sich um die Aufgaben des Ministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zu kümmern. Zweitens sind zehn Milliarden Euro viel zu wenig, um Glasfaser flächendeckend zu legen. Und drittens sollte der Staat eher den Start des künftigen Mobilfunkstandards 5G unterstützen, als die entlegensten Winkel mit Glasfaser zu versorgen."

Richtig ist jedenfalls, dass der neue Mobilfunkstandard 5G (für "fünfte Generation") zum Kern der nächsten digitalen Revolution gehören wird. So führte Vodafone auf der Cebit vor, wie ein Übertragungstempo von 15 Gigabit pro Sekunde möglich ist. In der Fläche wird dieÜbertragungsmenge allerdings viel weniger groß sein. Wichtig ist auch, dass die "Latenzzeit" deutlich schneller wird als bisher: Damit Autos oder Maschinen miteinander sicher kommunizieren können, sollen Funkimpulse in rund einer Tausendstel Sekunde von Funkmodul zu Funkmodul geschickt werden - nur so ist sicher, dass beispielsweise eine Bremse auch schnell genug aktiviert wird.

Ein neues Modellprojekt in Düsseldorf zeigt, wie Digitaltechnik und Mobilfunk bei der Betreuung älterer Menschen neue Möglichkeiten geben: Sensoren sollen Senioren "überwachen", indem sie per Mobilfunk melden, wenn ein Mensch hinfällt oder wenn etwas anderes nicht in Ordnung ist. "Das Projekt soll zeigen, wie digitale Lösungen zum Wohle aller eingesetzt werden können", erklärt auf der Cebit Andreas Meyer-Falcke, Gesundheitsdezernent der Landeshauptstadt. Ziel ist, dass ältere Bürger länger zu Hause leben können.

Die Idee für das Vorhaben hat der chinesische Konzern ZTE aus der Heimat importiert: Das Unternehmen mit Deutschlandzentrale in Düsseldorf hat die Sensorüberwachung von Senioren in China ausprobiert, weil es dort noch weniger Pflegekräfte als in Deutschland gibt.

Quelle: RP
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