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Ökostrom-Förderung
Chefs der Energiekonzerne warnen vor Stromausfall

Brüssel.. Die Versorger kritisieren den immer stärkeren Ausbau der Ökostrom-Förderung. Zehn Konzerne preschen vor. Von Anja Ingenrieth

Die europäischen Energie-Riesen schlagen Alarm. Die Chefs zehn führender Versorger - darunter Eon und RWE – haben gemeinsam vor flächendeckenden Stromausfällen als Folge einer fehlerhaften Energiepolitik gewarnt. "Die Gefahr von Blackouts in Europa war nie höher als derzeit", sagte Gerard Mestrallet, Chef des französischen Unternehmens GDF-Suez. Die Versorgungssicherheit in der EU sei während eines strengen Winters nicht mehr gewährleistet, mahnte auch RWE -Chef Peter Terium. Ursache hierfür sei, dass Kraftwerke aus Kostengründen vom Netz gingen, während zugleich der Ökostrom mit Subventionen immer weiter ausgebaut werde. Nach Angaben der Konzerne stehen europaweit Anlagen mit einer Leistung von 51 Megawatt nicht mehr zur Verfügung. Das entspreche der Kapazität von Belgien, Tschechien und Portugal.

Im Prinzip geht es den Konzernen darum, möglichst viel Förderung für die Bereitstellung konventioneller Gas- oder Kohlekraftwerke für wind- und sonnenarme Zeiten zu bekommen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger sieht das kritisch, wie aus seinem Entwurf für Förder-Leitlinien hervorgeht, der unserer Zeitung vorliegt. Die Konzerne sollen nur unter strengen Auflagen Geld für ihre Kraftwerksreserve bekommen dürfen. Oettinger setzt lieber auf den Ausbau des europäischen Netzes und des grenzüberschreitenden Handels. Anstatt nationale "Standby"-Stromkapazitäten aufzubauen, sollen die Firmen Kraftwerke in Nachbarländern nutzen.

Eon-Chef Johannes Teyssen nahm das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aufs Korn. Ein Vier-Personen-Haushalt zahle in Deutschland pro Jahr nur gut ein Drittel für den reinen Strom und den Rest für die Ökoförderung, in der Verbraucher für die Zusatzkosten für grüne Energien aufkommen müssen. Er mahnte eine stärkere Rolle Brüssels an, um den Flickenteppich an nationalen Ökoförderungen zu beenden. Bei EU-Kommissar Oettinger rennt er mit dieser Forderung offene Türen ein. Die Konzernlenker der im schwierigen Fahrwasser befindlichen Branche wollen mit ihrem Appell Druck auf die EU-Kommission in Brüssel ausüben, verlangen Planungssicherheit für Investitionen.

Zu den Unternehmen, die nun vorpreschen, gehören neben deutschen Konzernen Eon und RWE sowie der französischen GDF Suez auch Enel, Eni und Vattenfall. Die zehn Firmen decken die Hälfte des europäischen Strombedarfs ab und beschäftigen 630 000 Mitarbeiter.

Quelle: RP
 
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