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Basel/Peking
China bietet für Bayer-Rivalen 39 Milliarden

Basel/Peking. Ein Staatskonzern aus Peking will den Chemie-Riesen Syngenta aus Basel kaufen. Auch nach NRW drängen die Chinesen. Von Reinhard Kowalewsky

Dieses Geschäft soll Geschichte machen: Der staatliche Mischkonzern Chemchina will für umgerechnet 39 Milliarden Euro den Schweizer Agrarchemie-Konzern Syngenta kaufen. Es wäre der bisher größte Zukauf eines Unternehmens aus dem früheren Entwicklungsland. Zumindest indirekt wird das Geschäft auch Konsequenzen für den deutschen Konzern Bayer haben: Dessen Sparte für Agrarchemie, Bayer Crop-Science in Monheim, wird es künftig wohl etwas schwerer haben, seine Produkte im wichtigen Abnehmerland China zu verkaufen. "Jetzt haben die Chinesen mit Syngenta ja praktisch einen eigenen starken Anbieter für Agrarchemie", sagt Bernhard Weininger, Branchenexperte bei der Beratungsfirma Independent Research, "und damit hätte Bayer da künftig härteren Wettbewerb."

Andererseits könnte der Milliardendeal auch eine Chance für Bayer bieten: In der EU und in den USA müssen die Behörden das Geschäft noch absegnen. Dabei könnte es passieren, dass das amerikanische Komitee für ausländische Investitionen eine Zustimmung ablehnt, da ja künftiges Saatgut für amerikanische Farmer durch die Übernahme teilweise von den Chinesen kontrolliert würde.

Wichtiger ist aber, dass die Behörden prüfen, ob der neue chinesisch-schweizerische Konzern bei Teilen des Agrarchemiegeschäftes zu große Marktmacht erhält. "Dann könnte Chemchina gezwungen sein, Teile von Syngenta wieder abzugeben und Bayer könnte zuschlagen", sagt Analyst Weininger.

Bayer selbst hat oft erklärt, dass hohe Investitionen bei Crop-Science ebenso zur Strategie gehören wie der Ausbau des Gesundheitsgeschäfts.

Dabei zeigt der Kauf von Syngenta gleichzeitig, dass die Chinesen auf dem Vormarsch sind. Sie erwirtschaften jedes Jahr einen Außenhandelsüberschuss von mehr als 500 Milliarden Euro. Dieses Geld wird global genutzt, um Chinas Präsenz mit Niederlassungen und Firmenkäufen auszubauen. Sie können nun Syngenta beispielsweise einfach in bar kaufen, nicht per Aktientausch.

Dabei ist der Syngenta-Deal Höhepunkt in einer ganzen Reihe chinesischer Übernahmen und Zusammenschlüsse im Ausland, die sich im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 101 Milliarden Euro erhöht haben, davon ein Viertel in Europa. Mit 11,3 Milliarden Euro im Januar verbuchten sie den bislang schnellsten Start ins Jahr, obwohl die Wirtschaft in der Heimat schwächelt.

Alleine in NRW wuchs die Zahl von Firmen und Niederlassungen aus China vergangenes Jahr um 81 auf nun knapp 900 - mehr als in jedem anderen Bundesland. Rund 25.000 Chinesen leben in NRW, viele Firmen wie die Telekommunikationskonzerne Huawei oder ZTE haben ihren Sitz in Düsseldorf. Dabei lobt NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) die Aktivitäten der ostasiatischen Partner: "Deren Aktivitäten sind für uns ein Segen." So sei auch zu loben, dass die Chinesen meist ein gutes Verhältnis zu Betriebsräten haben.

Wie die Chinesen vorgehen, zeigt sich auch bei Syngenta. Die Baseler sollen relativ hohe Eigenständigkeit behalten, das macht es Vorstandschef Michel Demare relativ leicht, die Übernahme zu unterstützen - Avancen etwa von Weltmarktführer Monsanto hatte er früher abgelehnt. "Syngenta bleibt Syngenta", freut er sich nun.

China will mit dem Geschäft die Lebensmittelversorgung seiner Bevölkerung verbessern und die Abhängigkeit von Importen verringern. "Nur rund zehn Prozent des chinesischen Ackerlandes kann effizient genutzt werden", sagt ein Kenner von Chemchina. Er erklärt die Strategie: "Das ist mehr als eine Firma, die eine andere kauft. Hier versucht eine Regierung, ein reales Problem anzugehen, indem sie den Agrarsektor stärkt." Chemchina-Präsident Ren Jianxin ist das bewusst. "Ich wurde im Alter von 15 Jahren aufs Land geschickt. Ich bin sehr vertraut damit, was Bauern brauchen, wenn sie ihr Land bewirtschaften", sagte er.

Quelle: RP
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