Ex-Ölmagnat: Chodorkowski im Gefängnis mit Messer attackiert
zuletzt aktualisiert: 15.04.2006 - 18:52Moskau (rpo). Der frühere russische Ölmagnat Michail Chodorkowski ist im Gefängnis von einem Mithäftling mit einem Messer attackiert worden. Dies teilte jetzt sein Anwalt mit. Chodorkowski wird derzeit im Krankenhaus behandelt.
Anwalt Juri Schmidt warf den Behörden am Samstag vor, den Zwischenfall vertuschen zu wollen. Chodorkowski sei in der Nacht zum Freitag mit blutigem Gesicht aufgewacht, hieß es in einer auf Chodorkowskis Website veröffentlichten Erklärung.
Die Wunde sei genäht worden, der 42-Jährige werde nun in der Klinik des Gefangenenlagers im sibirischen Krasnokamensk behandelt, erklärte Schmidt. Bei dem Angreifer handelt es sich um einen 23-jährigen Mann namens Kutschma, wie Natalja Terechowa, die ebenfalls zu Chodorkowskis Anwaltsteam gehört, laut dem Onlinedienst Gaseta.ru sagte. Er befinde sich nach dem Vorfall in Einzelhaft. Der junge Mann habe Chodorkowski nicht töten, sondern ihn offenbar entstellen wollen, meldete Gaseta.ru unter Berufung auf die Anwälte des Verletzten. Kutschma soll mit dem Messer in das linke Nasenloch gestochen haben. Terechowa will Chodorkowski am Montag im Gefangenenlager besuchen.
Der staatliche Gefängnisdienst erklärte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax, ersten Informationen zufolge habe Chodorkowski im Verlauf eines Streits mit einem Mithäftling Kratzer an der Nase davongetragen. Der Vorfall werde untersucht, zitierte die Nachrichtenagentur RIA-Nowosti den Leiter des Gefängnisdienstes, Juri Kalinin.
Anwalt Schmidt sagte, die Behörden ließen nicht erkennen, dass sie wegen des Zwischenfalls strafrechtliche Ermittlungen einleiten wollten. Dies zeige, dass Chodorkowski entgegen öffentlicher Beteuerungen "weniger Rechte als andere gewöhnliche Gefangene" habe. Chodorkowski wurde wegen Verstoßes gegen Gefängnisregeln - dem Besitz von Dokumenten über die Rechte von Häftlingen und Teetrinkens an einem unerlaubten Ort - bislang zwei Mal unter Einzelhaft gestellt. Seine Anwälte sehen dies als Versuch, seine Führungsakte zu beschmutzen um zu verhindern, dass seine Strafe auf Bewährung ausgesetzt werde.
Der Gründer des Ölkonzerns Jukos wurde wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt, die er in dem abgelegenen sibirischen Lager verbüßt. Beobachter sprechen von einem politisch motivierten Prozess.
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