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Bahnstreik endet um 21 Uhr
Weselskys Streiks kosten 600 Millionen

Fotos: Weselsky – Lokführer, CDU-Mitglied, Gewerkschafter
Fotos: Weselsky – Lokführer, CDU-Mitglied, Gewerkschafter FOTO: dpa, Frank Rumpenhorst
Düsseldorf. Tag zwei im nunmehr siebten Lokführer-Streik führt zu Zugausfällen und Verspätungen im Personenverkehr sowie Staus auf den Straßen. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Die Appelle an die Lokführer werden dringlicher. Von Maximilian Plück und Eva Quadbeck

SPD-Vizechef Ralf Stegner brachte es gestern in gewohnt zynischer Art auf die Formel: "Mein Eindruck ist, dass die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer den Publikumspreis, was die Beliebtheit angeht, haarscharf verfehlen wird." Das Unternehmen Sixt erkor GDL-Chef Claus Weselsky gleich zum "Mitarbeiter des Monats" - profitiert die Autovermietung doch derzeit von der Angriffslust der Gewerkschaft. Humor, so scheint es, ist wohl das probate Mittel, um dem siebten Arbeitskampf im laufenden Tarifkonflikt zwischen Bahn und GDL zu begegnen.

Mehr als zwei Drittel der Zugverbindungen im Fernverkehr fielen nach Angaben der Bahn aus, im westdeutschen Nahverkehr seien immerhin 40 bis 50 Prozent der Züge gefahren. Anders als im Osten, wo der Bahn weniger beamtete Lokführer zur Verfügung stehen. Nach Angaben der GDL waren 3000 Lokführer dem Streikaufruf gefolgt. Noch bis heute Abend um 21 Uhr wird der Arbeitskampf fortgesetzt.

Zu den Nutznießern des Streiks gehören neben den Autovermietern die Busunternehmen. Meinfernbus-Flixbus verzeichnete gestern nach eigenen Angaben doppelt so viele Zugriffe auf seiner Internetseite wie an gewöhnlichen Tagen. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer äußerte die Hoffnung, dass der Branchenumsatz streikbedingt um mehrere Millionen Euro steigen werde.

Was Lokführer verdienen FOTO: AP

Wenig Grund zur Freude hat dagegen die deutsche Industrie, die mehr noch unter dem bereits seit Dienstag laufenden Streik im Güterverkehr zu leiden hat. Die Kosten des aktuellen Arbeitskampfes liegen dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zufolge im dreistelligen Millionenbereich: "Dauert ein Streik mehrere Tage, kommen leicht über 100 Millionen Euro täglich als Streikkosten auf die Unternehmen zu", sagte DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann der "Bild". Insgesamt erhöhten sich die Kosten des Tarifstreits, der im vergangenen Juli seinen Anfang nahm, damit auf mehr als 600 Millionen Euro.

Der Vize-Chef der Unionsfraktion, Arnold Vaatz (CDU), nannte die Streiks "unangemessen": "Ich kann nur an die Lokführer appellieren, dass sie sich nicht von Herrn Weselsky am Nasenring durch die Manege führen lassen und ihren hervorragenden Ruf kaputt machen", sagte Vaatz unserer Zeitung. "Die Lokführer müssen sich von dieser Gewerkschaftsführung distanzieren. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Reisenden der Bahn dauerhaft den Rücken kehren", betonte Vaatz. Die Lokführer müssten bedenken, dass auch ihre Jobs vom wirtschaftlichen Erfolg der Bahn abhängen. Zugleich sagte Vaatz, dass er "hohen Respekt" vor der Leistung der Lokführer habe. "Sie sind für den sicheren Transport von Menschen verantwortlich."

Die Deutsche Bahn in NRW in Zahlen

Dass Weselsky und seine Mitglieder auf solche Appelle aus dem politischen Raum reagieren und auf einen zahmeren Kurs einschwenken, ist höchst fraglich. Der GDL-Chef attackierte gestern erneut den Bahnvorstand und verglich diesen mit der Kinderbuch-Figur Pippi Langstrumpf, die sich die Welt mache, wie sie ihr gefalle. Weselsky spielte damit auf die Aussage von Personalvorstand Ulrich Weber an, der davon gesprochen hatte, dass die GDL ein vorliegendes Zwischenergebnis nur noch hätte unterschreiben müssen. Weselsky sprach von "einseitigen Erklärungen" und nannte das eine "blanke Provokation". Die GDL hat die für den 27. April vereinbarte Verhandlungsrunde abgesagt.

Von einer Deeskalation kann also keine Rede sein. Zugleich kommt auf die Bahnkunden von anderer Seite Ungemach zu: Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zieht auch verbal die Daumenschrauben an. Die Bahn müsse bei der heutigen Verhandlungsrunde ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen, erklärte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Die Mitglieder seien bereit, für ihre Forderungen einzutreten. "Und das bedeutet am Ende Streik."

Quelle: RP
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