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Frankfurt/M.
Commerzbank beseitigt Milliardenlast

Frankfurt/M.. Der 1,5-Milliarden-Dollar-Vergleich in den USA hat den Aktienkurs deutlich steigen lassen. Damit ist die Bank aber noch nicht problemfrei. Der Verdacht auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung belastet das Unternehmen weiterhin. Von Brigitte Scholtes

Etwa 1,5 Milliarden Dollar lässt sich die Commerzbank die Beilegung der Rechtstreitigkeiten in den USA kosten. Beide Seiten hatten einen Vergleich geschlossen, mit dem nicht nur die Vorwürfe gegen die Bank wegen Verstoßes gegen Sanktionsbestimmungen der Vereinigten Staaten abgegolten sein sollen, sondern auch die Verletzungen von Geldwäschevorschriften. Positiv für die Commerzbank ist, dass mit dem Vergleich in Übersee ein Schuldeingeständnis nicht verbunden ist.

Die Börse reagierte gestern erfreut auf die Einigung: Die Aktie legte um gut vier Prozent auf 12,53 Euro zu. "Das ist vielleicht teuer erkauft, aber die Commerzbank hat sich ihres größten Risikos entledigt", sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). In den USA könne man nicht damit rechnen, dass man bei längeren Verhandlungen ein günstigeres Ergebnis erzielen könne.

Was der Fall UBS beweist: Gestern wurde bekannt, dass die Schweizer Großbank ihre Rückstellungen für Rechtsrisiken um weitere 130 Millionen Franken auf 3,05 Milliarden Franken (2,85 Milliarden Euro) erhöht hat. Ende Februar hatte schon ihre Konkurrentin Credit Suisse ihre Rechtsrückstellungen im Zusammenhang mit Hypotheken-Papieren in den USA um 277 Millionen Franken aufstocken müssen. "Alle großen international agierenden Banken sind da betroffen", meint Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen der Universität Hohenheim, "das Rechtsrisiko, das von den USA ausgeht, ist erheblich für jede große internationale Bank."

Die Amerikaner verwendeten ihr Rechtssystem als "Keule", um Geld zu verdienen, meint der Bankenexperte: "Ich könnte mir vorstellen, dass da unerwartet ganz andere Themen eine Rolle spielen, bei denen man die Banken zu Strafzahlungen verurteilen kann, auch nicht-amerikanische Geldhäuser."

Für die Commerzbank dagegen scheinen die Rechtsrisiken in den USA jetzt abgegolten. Das Geldhaus hat noch gut 500 Millionen Euro an Rückstellungen übrig. Welche Rechtsrisiken die Bank da noch sieht, dazu will sie noch nichts sagen. In der kommenden Woche erscheint der Geschäftsbericht der Commerzbank für 2014, im Lagebericht dürfte man dann mehr Details erfahren. Weil die Bank nicht so international aufgestellt ist, dürfte sie indes nicht so stark betroffen sein wie etwa die Deutsche Bank, meint Bankenexperte Burghof. So hatte die Commerzbank in den vergangenen Jahren ihr Investmentbanking stark abgebaut und konzentriert sich nur noch auf die Leistungen, die unbedingt notwendig sind für ihre Kunden.

Unbelastet ist sie aber in anderer Hinsicht nicht: Ende Februar war bekannt geworden, dass sie einigen Kunden Beihilfe zur Steuerhinterziehung in Luxemburg geleistet haben soll. Mitwirkung bei Steuerhinterziehung aber könnte das Institut nicht nur teuer zu stehen kommen, auch der Ruf der Bank wird da in Mitleidenschaft gezogen - wenngleich sie auch sicher nicht das einzige Geldhaus war, dem das vorgeworfen wird.

Die Commerzbank selbst hat zudem in den vergangenen Jahren darunter gelitten, dass sie als Staatsbank galt. Der Bund war vor sechs Jahren in der Finanzkrise zur Rettung der Bank eingestiegen, ist inzwischen aber nur noch mit 17 Prozent beteiligt. Bei einem Ausstieg des Staates müsse sie aber mehr denn je auf ihren guten Ruf achten, meint Burghof, denn private Banken refinanzierten sich am Kapitalmarkt und durch Einlagen. Sie machten Geschäfte über das Vertrauen der Kunden, das sie wiedergewinnen müssten: "Wenn ihr das nicht gelingt, wird sie auch am deutschen Markt wenig Erfolg haben." Vor allem in Deutschland gelte: Ohne Vertrauen kein Erfolg.

Quelle: RP
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