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Commerzbank-Volkswirt zu Jamaika-Aus
"Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft"

Commerzbank-Volkswirt zu Jamaika-Aus: "Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft"
Deutsche Börse in Frankfurt am Main (Archivbild vom 17.11.2017). FOTO: rtr, PK/
Frankfurt/Main. Das Scheitern der Jamaika-Sondierungen macht sich am deutschen Aktienmarkt bemerkbar. Der Euro steht unter Druck. Die politische Unsicherheit in Deutschland sei so groß wie selten zuvor, sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank.

Das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen hat den deutschen Aktienmarkt am Montag auf Talfahrt gehalten und den Euro unter Druck gesetzt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1735 US-Dollar und damit rund einen halben Cent oder ein halbes Prozent weniger als vor dem Bekanntwerden des Abbruchs durch die FDP. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1795 Dollar festgesetzt.

FDP bricht die Jamaika-Sondierungen ab FOTO: dpa, mkx hjb

Am späten Sonntagabend hatte sich die FDP aus den Sondierungsgesprächen mit Union und Grünen verabschiedet. Die wochenlangen Bemühungen um eine konservativ-linksliberale Koalition sind damit gescheitert - und die politischen Verhältnisse im wichtigsten Wirtschaftsland der Eurozone unübersichtlich geworden. Sowohl Deutschland als auch der Euroraum waren zuletzt aber robust gewachsen, was den Euro beflügelt hatte.

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Die deutsche Wirtschaft wird das Scheitern der Jamaika-Sondierungen jedoch nicht ausbremsen, glaubt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Zwar sei die "politische Unsicherheit in Deutschland so groß wie selten zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik", kommentierte Krämer am Montag. "Trotzdem dürfte die deutsche Wirtschaft weiter kräftig wachsen. Denn angefacht durch die lockere EZB-Geldpolitik besitzt sie so viel Schwung, dass sich die zahlreichen, politisch zu lösenden Probleme Deutschlands vorerst nicht bemerkbar machen werden."

Weiter sagte Krämer: "Natürlich ist Unsicherheit Gift für die Wirtschaft. Aber das Scheitern der Jamaika-Koalition kann für die Unternehmen kein Schock sein, nachdem sich die kontroversen Verhandlungen unter den Augen der Öffentlichkeit quälende vier Wochen hinzogen." Die Commerzbank rechne weiterhin damit, "dass beim Wachstum im kommenden Jahr eine Zwei vor dem Komma steht".

(oko/dpa)
 
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