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Frankfurt
Commerzbank vor dem Umbruch

Frankfurt. Am Mittwoch ist es wieder so weit: Die Konferenzserie "Banken im Umbruch", ein Klassiker in Frankfurt, läuft wieder an. Sie ist jedes Jahr wieder aktuell, denn der Umbruch hört nicht auf. Dieses Jahr schauen die Märkte auf einen neuen Redner: Martin Zielke, den seit Frühjahr amtierenden Chef der Commerzbank. Er soll an einer neuen Strategie sitzen, bislang ist wenig nach außen gedrungen. Womöglich im September könnte sie kommen.

Die Investoren können hoffungsvolle Pläne gebrauchen, denn der Aktienkurs der Commerzbank hat dieses Jahr rund 37 Prozent verloren. Das absolute Niveau von rund sechs Euro ist auch nur einem Trick zu verdanken: Ende April 2013 hatte die Bank zehn alte Aktien zu einer neuen zusammengelegt. Sonst wäre das Papier der zweitgrößten börsennotierten deutschen Bank nur ein "Pennystock", weniger als einen Euro wert. Es würde schon genügen, den Rutsch zu stoppen. Aber danach sieht es nicht aus. Denn die letzten Halbjahreszahlen zeigten ein um 42 Prozent niedriges Konzernergebnis, eine gegenüber dem Vorjahr zwar gestiegene, im Vergleich zum ersten Quartal aber gefallene Eigenkapitalquote. Wird Zielke die Wende schaffen?

Er hat den Job bekommen, weil er zuvor als Privatkundenvorstand dieses Geschäftsfeld aufgemöbelt hat. Das operative Ergebnis im Privatkundengeschäft stieg von 221 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 751 Millionen Euro im vorigen Jahr. Solche Steigerungsraten für die Gesamtbank wären schön. Zielke wird sie durch sinkende Kosten zu erreichen versuchen. Er muss sich entscheiden: "Will er die Mitarbeiter bei Laune halten oder sind ihm eine höhere Profitabilität beziehungsweise steigende Aktienkurse wichtiger", fragt Philipp Häßler, Bankanalyst bei der Equinet Bank. Wer 500 Millionen Euro sparen wolle, müsse "schon ordentlich Leute freisetzen". Es sei fraglich, ob der Großaktionär Staat das billige. Ihm gehören immerhin noch rund 15 Prozent der Bank.

Neue Kunden zu gewinnen, dürfte auch auf Zielkes Rezept stehen. Privatkunden werden im Fokus bleiben, besonders die reichen. Freilich ist die Commerzbank dabei nicht allein. In Zeiten niedriger Zinsen suchen auch Reiche zwar mehr Beratung, bekommen sie aber auch satt angeboten. Die Margen in der Vermögensberatung, klagt die Branche, sänken. Mehr Geschäft statt bloßes Sparen dürfte Zielke auch dazu verführen, mehr gewerbliche Kredite zu vergeben. Ob er sich auch wieder in Schiffskredite vorwagt, deren Altlasten die Kreditwirtschaft noch plagen, bleibt abzuwarten.

Sicherer ist damit zu rechnen, dass die Preise steigen. Die Postbank ist vorangegangen, das dürfte den anderen gefallen haben. Dass null Prozent Guthabenzins für Privatkunden eine Subvention darstellt, die an anderer Stelle verdient werden muss, hat die Commerzbank schon lange verbreitet.

(mib)
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