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Leverkusen
Covestro gelingt der Börsenstart

Leverkusen. Der Aktienkurs der bisherigen Bayer-Kunststoffsparte steigt gleich am ersten Tag deutlich. Das Unternehmen profitiert vom niedrigen Ausgabepreis und dem verknappten Angebot. Ungeachtet dessen scheinen die Perspektiven gut. Von Georg Winters

Geduld und Demut gehören zu den sieben himmlischen Tugenden, und mitunter kommen sie auch in der Ökonomie vor. Für den Börsengang der Bayer-Kunststoffsparte, die jetzt Covestro heißt, sind sie von essenzieller Bedeutung gewesen. Geduld deshalb, weil die Verantwortlichen für den Börsengang einige Tage gewartet und einen Tag erwischt haben, an dem die Kurse eh ein wenig nach oben gingen. Und Demut, weil Covestro bei seinen Preisvorstellungen deutlich abgespeckt hat. Das Papier, für das mal ein Preis von fast 36 Euro im Gespräch war, wurde zu 24 Euro verkauft, und von da aus ging es gestern deutlich nach oben. Schon der Startkurs lag mit 26 Euro um mehr als acht Prozent über dem Ausgabepreis, und von da an stieg der Kurs bis zum Handelsschluss um weitere knapp zwei Prozent.

Das Börsendebüt von Covestro gilt also als geglückt. Natürlich profitierte das Unternehmen dabei von technischen Effekten: "Das Ausmaß der Kurssteigerung mag überraschen, aber dass die Aktie nach oben gehen würde, war nicht unwahrscheinlich. Covestro hat den Preis deutlich gesenkt und das Angebot verknappt. Da mussten Fondsgesellschaften dann zukaufen, und das treibt natürlich den Kurs", sagt der Analyst Lars Hettche vom Bankhaus Metzler (Frankfurt). Insofern hat Covestro der Euphorie an der Börse natürlich ein wenig nachgeholfen.

"Wir sind stolz, jetzt ein börsennotiertes Unternehmen zu sein", hat Covestro-Chef Patrick Thomas gestern gesagt. Wobei das in der augenblicklichen Situation am Aktienmarkt durchaus seine Tücken hat. Denn die Skepsis im Vorfeld des Börsengangs hatte unter anderem mit der Wachstumsschwäche in China und der allgemeinen Stimmung am Aktienmarkt wegen des VW-Skandals zu tun, und beide Probleme sind noch nicht gelöst.

Ungeachtet solcher Konfliktfelder gilt die Ex-Bayer-Sparte unter Experten als attraktives Investment, weil sie Dividende verspricht. Wenn Konzernchef Thomas das wahr macht, was angekündigt ist, dann wird Covestro ab 2016 zwischen 30 und 50 Prozent des Konzernergebnisses (nach IFRS) ausschütten.

In Sachen Profitabilität hat sich Covestro nach einer längeren Schwächephase, in der die Bayer-Sparte ihre Kapitalkosten nicht verdient hat, zuletzt stark verbessert. Im zweiten Quartal dieses Jahres verdiente Bayer Material Science vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereinflüssen rund eine halbe Milliarde Euro, ein Plus von rund 87 Prozent. Das Unternehmen profitiert bei der Beschaffung von niedrigen Rohstoffpreisen. Das, so warnen Analysten - dies gilt allerdings für jeden anderen Industriekonzern genauso - könne sich natürlich mit einem deutlichen Anstieg des Ölpreises ändern. Der wiederum ist derzeit aber nicht in Sicht. Ebenso wenig wie ein schwächerer Dollar. Die US-Währung dürfte eher davon profitieren, dass die Notenbank Fed in absehbarer Zeit die Zinsen erhöht. Was außerdem für Covestro spricht: Anders als der Spezialchemie-Anbieter Lanxess, der ja auch aus dem Bayer-Konzern hervorging, hat sich der Börsenneuling noch unter dem Dach der bisherigen Mutter neu positioniert. Ein Sparprogramm, mit dem Covestro bis 2019 rund 420 Millionen Euro sparen will, ist bereits eingeleitet. Was ein Risiko darstellt: Die weltweite Nachfrage schwankt mit den Konjunkturzyklen, und das macht Covestro auch abhängig von einem guten Konjunkturverlauf.

Experten haben anhand von Vergleichen mit Unternehmen wie BASF und Evonik errechnet, dass Covestro mehr als zehn Milliarden Euro wert sein könnte. Da für die Zugehörigkeit zum Dax aber nur der Streubesitz gerechnet wird, ist der Konzern noch nicht reif für die Erste Liga. Noch nicht.

Quelle: RP
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