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Leverkusen
Covestro hebt nach Holperstart ab

Leverkusen. Vor einem Jahr hat Bayer seine Kunststoff-Tochter in die Unabhängigkeit entlassen. Der Aktienkurs hat sich seither fast verdoppelt. Um Monsanto kaufen zu können, wird sich Bayer rasch von seinen restlichen 64 Prozent trennen. Von Antje Höning

In Leverkusen gab es gestern Torte. Und Bertrand Piccard, der Pilot des Solarflugzeugs Solar Impulse, kam auch, um mit Covestro-Chef Patrick Thomas den einjährigen Geburtstag des Unternehmens zu feiern. Am 1. September 2015 hatte Bayer seine Kunststoff-Tochter in die Unabhängigkeit entlassen. Der Start an der Börse im Oktober war zwar holprig, Bayer hatte die Preisspanne senken müssen. Doch seither hat sich Covestro zur Erfolgsgeschichte entwickelt.

Das sollte auch der Besuch von Piccard unterstreichen. In dem Flieger, mit dem er es allein mit Sonnenkraft einmal um die Welt geschafft hat, stecken viele Kunststoffe made in NRW. So haben die Covestro-Forscher mit Baytherm Microcell einen Dämmstoff entwickelt, der um zehn Prozent besser isoliert als herkömmliche Kunststoffe und besonders leicht ist. Damit wurde das Cockpit der Solar Impulse ausgekleidet, um die Piloten vor den starken Temperaturschwankungen (minus 40 Grad in der Nacht, plus 40 Grad Celsius am Tag) zu schützen. Denn um Gewicht zu sparen, durfte das Cockpit weder Heizung noch Klimaanlage besitzen.

Auch die Covestro-Anleger haben Grund zu feiern. Die Aktie ist am 6. Oktober 2015 zu 24 Euro ausgegeben worden und hat sich seither fast verdoppelt. Gestern notierte sie bei 46 Euro. Im Dezember stieg die Covestro-Aktie in den M-Dax auf. Das Konzernergebnis hat sich binnen eines Jahres um 50 Prozent erhöht, im ersten Halbjahr 2016 fuhr Covestro 230 Millionen Euro ein. Dabei half allerdings auch der niedrige Ölpreis. Noch gibt es weltweit Überkapazitäten bei vielen Kunststoffen.

Covestro stellt Schaum- und Hartstoffe für die Auto-, Elektronik-, Bau- und Sportindustrie her. Im WM-Fußball waren seine Kunststoffe ebenso enthalten wie in einem Fünftel der weltweit produzierten CDs, in denen Makrolon steckt.

Bayer hatte zunächst 36 Prozent der Covestro-Aktien an die Börse gebracht. Seit die Halte-Periode im Frühjahr zu Ende gegangen ist, darf die Mutter auch die übrigen 64 Prozent verkaufen. Doch noch würde dies laut Konzernkreisen hohe Steuerzahlungen auslösen, daher werde Bayer nicht vor 2017 große Pakete auf den Markt werfen, hieß es. Dann aber kann es schnell gehen.

"Bayer dürfte sich rasch von Covestro verabschieden. Das Kunststoff- passt nicht mehr zum Kerngeschäft, und das Geld kann Bayer gut gebrauchen, um die geplante Übernahme von Monsanto zu stemmen", sagte Markus Manns, Fondsmanager bei Union Investment. Der Markt dürfte den Verkauf der Covestro-Anteile gut aufnehmen, er rechnet für 2017 ohnehin damit.

Die Verhandlungen mit Monsanto ziehen sich hin, doch Manns sieht das gelassen: "Bayer hat keinen Zeitdruck, Übernahmen in dieser Dimension ziehen sich über Monate hin." Zumal sich die Lage für Bayer deutlich verbessert habe, seit die US-Behörde Committee on Foreign Investment vor wenigen Tagen die Fusion der Konkurrenten Chemchina und Syngenta genehmigt hat. "Erstens steigen damit die Chancen, dass die Behörde auch den Deal Bayer/Monsanto genehmigen würde. Zweitens hat Monsanto damit die Option verloren, selbst einen neuen Anlauf bei Syngenta zu wagen. Jetzt hat Monsanto nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder die Amerikaner entscheiden sich für Bayer - oder sie bleiben allein."

Bayer hat für den Fondsmanager auch beim Preis noch Luft nach oben: "Bis zu 135 Dollar je Aktie kann Bayer geben, danach wird es zu teuer und riskant. Dafür ist es wichtig, dass Bayer als nächsten Schritt Einblick in die Monsanto-Bücher erhält. Wenn Monsanto ernsthaft interessiert ist, müsste das Management jetzt der Due Dilligence zustimmen", sagt Manns. Die "Covestroens" werden das mit Interesse beobachten.

Quelle: RP
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