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Kopenhagen
Dänemark will das Bargeld abschaffen

Dänemark will Bargeld abschaffen
Wie oft die die Deutschen im Alltag mit Bargeld, Karte oder auf anderem Wege bezahlen, zeigt unsere Grafik. Einfach draufklicken, dann öffnet sie sich in voller Größe. FOTO: rp
Kopenhagen. Die Regierung will den Annahmezwang für Einzelhändler aufheben. Ab 2016 soll die Notenbank auch keine Scheine mehr drucken. Die meisten Dänen zahlen mit der "Dankort". In Deutschland sind die Banken dagegen zerstritten. Von Antje Höning

Die Dänen haben ein entspanntes Verhältnis zu Geld - jedenfalls zu Bargeld. Das erlebt Holger Sandte täglich. "Ob Kiosk oder Straßenbahn - auch Kleinstbeträge werden hier mit Karte oder Handy gezahlt", sagt der Chefvolkswirt der in Kopenhagen sitzenden Nordea Bank. Allenfalls am Flohmarkt-Stand oder der Pølser-Bude, die die grellroten Würstchen verkauft, werde noch bar gezahlt. Und selbst das könnte bald vorbei sein. Denn die dänische Regierung will Einzelhändler, Tankstellen und Restaurants ab 2016 von dem Zwang befreien, Scheine oder Münzen anzunehmen. Nur Lebensmittel-Geschäfte und Krankenhäuser sollen Krone und Öre weiter bar nehmen müssen. Die dänische Notenbank hat zudem angekündigt, dass sie ab 2017 keine neuen Banknoten mehr drucken will.

Die dänische Regierung begründet ihren Plan mit den unnötigen Kosten der Herstellung, Logistik und Sicherung beim Bargeld. Und sie reagiert auf das geänderte Verhalten ihrer Landleute. Viele Dänen wollen einfach keine Scheine mehr, das Ende des Bargelds naht.

Schon 2010 zahlten 62 Prozent der Dänen mit Karte. Seitdem ist der Anteil Jahr für Jahr um ein paar Prozentpunkte gestiegen, so die große dänische Handelskette Coop. Der größte Teil der Kartenzahlungen erfolge mit der rot-weißen Dankort. Diese Karte ist mit der deutschen EC-Karte vergleichbar, kostet die Kunden nichts und die Geschäfte nur wenig. Ende 2014 waren laut Betreibergesellschaft 5,3 Millionen Dankorts "im Umlauf" - und das bei 5,6 Millionen Einwohnern. Im Schnitt nutzt jeder Däne seine Karte 210 Mal im Jahr.

Auch das Mobile Payment, das Bezahlen per Smartphone, ist in Dänemark beliebt. Die Danske Bank, die zweite große Bank neben Nordea, hat eine App namens "Mobile Pay" auf den Markt gebracht, die bereits 1,5 Millionen Dänen nutzen. Der Kunde muss im Supermarkt nur sein Handy vor ein Lesegerät halten. Die (geringen) Kosten trägt nicht der Kunde, sondern die Bank. Zudem gilt die App als leicht zu bedienen.

Von solchen Verhältnissen ist Deutschland weit entfernt. Für die meisten Deutschen gilt: Nur Bares ist Wahres. Über 50 Prozent der Deutschen zahlen beim Einkauf am liebsten mit Bargeld, so eine Statistik des Handelsforschungsinstitutes EHI. Mobil zahlen bislang sogar nur zwei Prozent der Deutschen.

Woran liegt das? "Dänen und Deutsche haben eine andere vertrauenskultur", sagt Sandte. Soll heißen: Während der Däne an das Gute im Menschen glaubt, wittert der Deutschen überall Datenspionage - und das besonders, wenn es um Geld geht. "Außerdem nutzt Dänemark den Vorteil des kleinen Landes", sagt Sandte weiter. Wenige Banken, wenige Handelsketten - da war es einfach, sich auf ein gemeinsames Zahlungssystem wie Dan-Kort zu verständigen.

Die deutsche Finanzbranche hat dagegen viel zu spät die wachsende Bedeutung des bargeldlosen Bezahlens verstanden und ist zudem heillos zerstritten. Die Sparkassen arbeiten lange an einem eigenem System, Volksbanken und Privatbanken auch. Der Versuch, die EC-Karte zur Geldkarte für Bus, Bahn, Brötchen zu machen, war wenig erfolgreich. Wenn nur wenige Händler und Unternehmen mitmachen, werden die Karten eben kein Erfolg.

Dabei wird die Konkurrenz immer größer: Apple Pay versucht gerade, den Markt für kontaktloses Bezahlen zu erobern. Beim Bezahlen im Internet ist die Ebay-Tochter Paypal der Platzhirsch. Kostet den Verbraucher nichts, die Kosten trägt der Verkäufer - und bekommt dafür die Sicherheit, dass sofort vom Kunden- auf das Paypal-Konto abgebucht wird. Die große Zeit der teuren Kreditkarten, deren Betreiber meist Einzelhändler und Restaurants zur Kasse bitten, läuft ab.

Dabei lässt die digitale Zukunft noch Platz für Nostalgie. Das bekannte, 2008 abgeschaffte 25-Öre-Stück (mit dem Loch in der Mitte) hängt man sich in Dänemark eben um den Hals oder an die Wand.

Quelle: RP
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