| 07.12 Uhr

Hannover
Das Ende einer Freundschaft

Hannover. Die Unternehmer Carsten Maschmeyer (r.) und Utz Claassen waren jahrelang eng verbunden. Nun überziehen sie sich gegenseitig mit Anzeigen. Wie konnte es dazu kommen? Von Florian Rinke

"Unbequem" hat der Manager Utz Claassen seine Biografie getauft - und genauso könnte man die Situation auch beschreiben: In Hannover spielt sich gerade ein Krimi ab, in dem es um Macht, Millionen und Eitelkeiten geht. Die Unternehmer und ehemaligen Freunde Claassen und Carsten Maschmeyer überziehen sich gegenseitig mit juristischen Streitigkeiten, der Fall entwickelt sich immer mehr zur Schlammschlacht.

Die Protagonisten dieses Stückes könnten dabei schillernder kaum sein: Hier Maschmeyer, Gründer des Finanzvermittlers AWD und aktueller Juror der beliebten Fernsehsendung "Die Höhle der Löwen", dort der ehemalige EnBW-Manager Claassen. Beide sind steinreich und erprobt in harten Auseinandersetzungen: Maschmeyer musste sich nach dem Verkauf von AWD immer wieder gegen das Bild des "Drückerkönigs" wehren, Claassen sorgte zuletzt für Schlagzeilen, als er nach nur 74 Tagen an der Spitze den Solarkraftwerkehersteller Solar Millennium mit 9,2 Millionen Euro Antrittsprämie und einer millionenschweren Abfindung wieder verließ.

Lange Zeit verband die beiden eine enge Männerfreundschaft.

Claassen saß beim Fahrradhersteller Mifa, in den Maschmeyer investiert hatte, im Aufsichtsrat, gemeinsam traf man sich bei Spielen von Hannover 96, und natürlich waren die Claassens zur Hochzeit von Maschmeyer und Schauspielerin Veronica Ferres eingeladen.

Inzwischen ist der Ton rauer geworden - gesprochen wird über Anwälte. So sind bei der Staatsanwaltschaft Hannover zuletzt zwei Anzeigen gegen Maschmeyer und jeweils eine weitere Person eingegangen - die eine wegen falscher Verdächtigungen, die andere wegen des Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Eine Schuld ist damit noch nicht belegt, die Staatsanwaltschaft prüft zunächst lediglich, ob ein Anfangsverdacht vorliegt.

Kern des Streits ist das Unternehmen Syntellix, das 2008 von Claassen gegründet wurde. Das Medizintechnik-Unternehmen entwickelte ein geniales Produkt, mit dem es viele Operationen überflüssig machen will. Denn bislang werden nach Knochenbrüchen oft noch Metallschrauben eingesetzt, die in einer weiteren OP entfernt werden müssen. Syntellix hat jedoch metallische Implantate entwickelt, die sich im Körper vollständig abbauen. Die Patienten sparen dadurch eine OP und die Krankenkassen Geld.

Der Nutzen des Produkts ist so einleuchtend, dass auch Maschmeyer ein gutes Geschäft witterte - und investierte. 32,2 Prozent soll er heute laut "Welt" noch an den Unternehmen halten, Claassen soll über gut 45,1 Prozent verfügen.

Doch dann gab es offenbar hinter den Kulissen einen Streit um die Anteile, der schließlich zum Bruch der Männerfreundschaft führte. Es geht um viel Geld, um Millionen, denn je erfolgreicher die Produkte des Unternehmens künftig werden, desto mehr wert sind die Firmenanteile.

Umso erstaunlicher, dass letztlich ein vergleichsweise geringer Betrag von 120.000 Euro die Situation eskalieren ließ. Im vergangenen Jahr teilte Syntellix mit, dass man ab dem 1. November 2015 Trikotsponsor des spanischen Profi-Fußballclubs Real Mallorca sei. Der Club, heißt es weiter, sei ein "idealer Markenbotschafter für das expandierende Unternehmen". Als Grund wurden unter anderem die ambitionierten Ziele genannt, die beide verbänden: Hier das Unternehmen, das weiter wachsen will, dort der Fußball-Club, der gerne aufsteigen würde.

Investor Maschmeyer fand diese Parallelen offenbar etwas zu konstruiert - er zeigte Syntellix-Aufsichtsratschef Claassen und dessen Frau Berichten zufolge wegen angeblicher Untreue bei der Staatsanwaltschaft an, denn pikanterweise gehörte der Club damals Claassen. Es geht um jene 120.000 Euro.

Maschmeyer soll sich über das Sponsoring geärgert, eine Mauschelei gewittert haben. Laut "Süddeutscher Zeitung" ist er überzeugt, dass es allein darum ging, mit dem Geld den Club aufzuhübschen und teuer zu verkaufen. Inzwischen gehört er tatsächlich US-Investoren.

Auch Maschmeyer hat eine Biografie geschrieben - "Selfmade". Die Botschaft: Geschenkt wird dir nichts, du musst dafür kämpfen. Zur Not auch gegen Freunde.

Quelle: RP
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