München

Das Rheinland zeigt sich auf der Expo Real

München. Beim Branchentreffen zeigen Düsseldorf, Mönchengladbach und andere Städte, was sie gegen Wohnungsnot und Flächenmangel tun wollen. Ein Thema ist auch der Brexit: Neuss will japanische und chinesische Firmen anlocken.

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In Deutschlands Städten wird Bauland knapp. Die Baubranche fordert von den Kommunen, mehr Agrarland und sonstige Flächen in Bauland umzuwandeln. "Genug Land ist vorhanden", sagte Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft. "Aber die rechtlichen Vorgaben, die Eigentumsverhältnisse und auch der Widerstand der Bürger machen es oft schwer, das dringend benötigte Bauland zu gewinnen." Flächenknappheit und Preisanstieg sind große Themen auf der Messe Expo Real, die gestern in München begonnen hat. Vor 20 Jahren als Fachmesse für Gewerbeimmobilien gestartet, hat sich das Treffen für Projektentwickler, Investoren, Architekten, Bauwirtschaft und Kommunen zu einer Top-Investitionsbörsen Europas entwickelt. Mehr als 1900 Unternehmen, Städte und Regionen aus 35 Ländern präsentieren sich in diesem Jahr.

Der Stand der Stadt Düsseldorf und seinen Partnern umfasst rund 360 Quadratmeter Fläche, er geht über zwei Etagen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel will unter anderem die Bedeutung der Stadt für die Start-up-Szene hervorheben.

Auch der Stand, den sich Mönchengladbach unter dem Titel "Standort Niederrhein" mit Krefeld, den Kreisen Neuss, Viersen, Wesel und Kleve teilt, ist dicht belagert. "Es geht darum, viele Akteure zu treffen, aber auch zu sehen, wie andere Kommunen mit ähnlichen Herausforderungen umgehen", sagt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. Dazu zählen wachsende Einwohnerzahl und steigende Nachfrage von ansiedlungswilligen Unternehmen, aber auch qualitätsvolle Stadtentwicklung. Deshalb hat der Technische Beigeordnete Gregor Bonin gar nicht den Ehrgeiz, "jedes Jahr etwas ganz Neues zu präsentieren". Wichtig sei es, verlässlich zu sein. Es gehe darum, Projekte anzubieten mit dem Hinweis auf den tatsächlichen Baubeginn. So gehe es beim ehemals militärischen Reme-Gelände darum, erst die Altlasten zu beseitigen, bevor es zur Bebauung für bis zu 400 Wohneinheiten kommt. Bei der City-Ost in Bahnhofsnähe, wo 1000 Wohneinheiten entstehen, soll Ende des Jahres das Bauleitplanverfahren beginnen. Wirtschaftsförderer Ulrich Schückhaus, der von der ersten Expo Real an dabei ist, weiß, wie wirkungsvoll die Messe ist: "Beim ersten Mal haben wir die Pläne von Borussia im Nordpark gezeigt, jetzt ist das Gebiet der Renner und fast voll." Es gehe darum, das Interesse für die Stadt zu wecken, indem man zeigt, was bereits realisiert und was noch möglich ist.

Auch der Rhein-Kreis Neuss nutzt die Expo Real, um für sich zu werben - obgleich man über ein zu knappes Angebot an Gewerbeflächen klagt. Die Hoffnungen ruhen auf dem neuen Regionalplan, der neue Grundstücke ausweisen soll. "Ginge es in München nur um Gewerbegrundstücke, könnten wir uns die Reise eigentlich sparen", sagt Andreas Galland, Wirtschaftsförderer der Stadt Neuss. "Die Flächen, die wir haben oder in Kürze haben werden, könnten wir schon jetzt dreifach vergeben." Neuss setzt auf die Revitalisierung alter Industrieflächen. Auf dem ehemaligen Grundstück des Autozulieferers Pierburg an der Stadtgrenze sollen auf 55.500 Quadratmeter Fläche ein 100-Zimmer-Hotel, Gewerbe und 450 Wohnungen entstehen. Der Neusser Bauverein ist mit dem größten Projekt in seiner 125-jährigen Geschichte am Start: Für 180 Millionen Euro entstehen auf dem Gelände des ehemaligen St.-Alexius-Krankenhauses 500 Wohnungen und Einfamilienhäuser samt Infrastruktur.

Auch der Brexit ist ein Thema. "Viele Unternehmen aus dem Großraum London werden sich nach einem neuen Standort auf dem Kontinent umschauen", sagt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Davon könne der Rhein-Kreis profitieren. Im Fokus stünden Unternehmen aus Fernost: "Mit der großen japanischen und chinesischen Kolonie im Großraum Düsseldorf können wir ein attraktives Umfeld bieten."

Quelle: RP

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