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Frankfurt
Das verflixte 25. Jahr

Frankfurt. 1992 entstand die Deutsche Börse. Sie erlebte den Neuen-Markt-Boom und die Finanzkrise. 2017 scheiterten ihre Fusionspläne. Von Mischa Ehrhardt

Vor 25 Jahren war die Börsenwelt zersplittert. Sieben Handelsplätze buhlten um die Gunst der Anleger, hinzu kamen in Frankfurt drei Unternehmen: die Frankfurter Wertpapierbörse, die Deutsche Terminbörse, der deutsche Kassenverein. Ein klarer Wettbewerbsnachteil - denn in anderen Ländern existierten längst zentrale Börsenplätze, etwa in London, Paris oder Mailand. So wurde 1992 der Grundstein gelegt für die "bedeutendste Betreiberin von Finanzmarktarchitektur in Europa", wie der Vize-Chef der Deutschen Börse, Andreas Preuß, formulierte.

Aktuell sucht die Deutsche Börse einen neuen Vorstand, und das wirft ein Schlaglicht auf das Unternehmen: In diesem Jahr ist der Versuch gescheitert, mit der Londoner Börse zu fusionieren. Fast zeitgleich begann die Staatsanwaltschaft mit Ermittlungen. Es geht um Aktien des eigenen Unternehmens, die Börsen-Chef Carsten Kengeter angenommen haben soll zu einem Zeitpunkt, da er bereits mit den Londonern verhandelte. Der Verdacht: Insiderhandel. Kengeter verlässt die Börse zum Jahresende, Theodor Weimer tritt am 1. Januar sein Amt an. Die Geburtstagsfeier fand nun ohne Vorstandschef statt.

Die Deutsche Börse erlebte ab 1997 goldenen Zeiten beim Boom des Neuen Marktes, ein Segment für junge Unternehmen in Zukunftsbranchen. Auf dem Höhepunkt waren mehr als 300 Firmen gelistet. Dann fiel die Dotcom-Blase in sich zusammen, Firmen gingen pleite. 2003 schloss das Segment.

Auch der Versuch, die Deutschen zu einem Volk von Aktionären zu machen, scheiterte. Die Telekom-Aktie kam 1996 zu 28,50 Mark (knapp 15 Euro) auf den Markt, stieg bis 103 Euro - und stürzte ab. Heute ist sie gut 15 Euro wert.

Vor allem der elektronische Handel (Xetra) hat das Geschehen in Frankfurt während der vergangenen Jahrzehnte geprägt. "Jetzt sind nur noch 50 oder 60 Leute hier auf dem Parkett", sagt der altgediente Aktienhändler Fidel Helmer vom Bankhaus Hauck und Aufhäuser. "Damals waren es noch über 1000". Der Börsenhandel wurde in die Moderne geführt. Der Handel hat sich weitgehend in die Glasfaserwindungen des Internets zurückgezogen. Bespielt wird der Börsensaal heute nur noch von wenigen Händlern in den runden Handelsschranken, ansonsten dient er als präsentable Kulisse für alle möglichen Medien.

Der elektronische Handel war ein konsequentes Unterfangen der Deutschen Börse. Denn ein weiteres Ziel der Bündelung des Finanzplatzes war es, internationale Investoren anzulocken. Das ist augenscheinlich geglückt und lässt sich an den Eigentümern der Börse ablesen: Vor dem eigentlichen Börsengang des Konzerns war die Deutsche Börse AG überwiegend im Besitz deutscher Banken. Heute liest sich die Eigentümerschaar wie ein Who is Who internationaler Finanz-Giganten: Blackrock, Artisan und Ivesco haben ein Großteil der Aktien in ihren Depots liegen - deutsche Anleger sind nur noch mit rund 17 Prozent vertreten. "Das war ein wichtiger und ein notwendiger Schritt vor 25 Jahren", meint Norbert Kuhn vom Deutschen Aktieninstitut. "Denn Deutschland war in dieser Zeit nicht gerade bekannt für ausgeprägte Kapitalmärkte. Jetzt haben wir eine Deutsche Börse, an der sehr viele Unternehmensanteile und andere Wertpapiere gehandelt werden, und einen Marktplatz, der sehr liquide ist."

Quelle: RP
 
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