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Essen
Daten statt Kohle

Essen. An dem Ort, wo Franz Haniel vor mehr als 150 Jahren den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens gelegt hat, bricht Haniel in die Zukunft auf. Von Florian Rinke

Ohne Franz Haniel wäre die Geschichte von NRW anders verlaufen. Das Durchstoßen der so genannten Mergeldecke 1834, einer dicken Gesteinsschicht, machte den Aufschwung des Ruhrgebiets zur wichtigsten Wirtschaftsregion Deutschlands erst möglich. Nun erst konnte mit dem Steinkohleabbau in großen Tiefen begonnen werden. Auch wenn es mühsam war, weil Wasser abgepumpt und Tunnel stabilisiert werden mussten - plötzlich saßen die Unternehmer auf einem unglaublichen Schatz: Durch die Steinkohle hatten sie eine schier unerschöpfliche Energiequelle aufgetan, mit der sie Stahl kochen und Dampfmaschinen antreiben konnten.

Heute, knapp 165 Jahre später, sind die Haniels an den Ort zurückgekehrt, wo alles begann: Die Zeche Zollverein markierte den Ausgangspunkt ihres unternehmerischen Schaffens, aus dem heute eine verzweigte Beteiligungsgesellschaft geworden ist. Die Kohle hat hier längst ausgedient, die von Franz Haniel gegründete Zeche Zollverein ist als Museum Symbol des Ruhrgebiets geworden. Doch die Haniels wollen hier nicht in die Vergangenheit blicken. Sie sind hier, um wieder einen Schatz zu heben - nur dass er diesmal aus Daten besteht.

"Schacht One" hat das Unternehmen seine Digitaltochter getauft. Im Schatten des Zechenturms sollen die Mitarbeiter an neuen digitalen Produkten und Modellen tüfteln, mit denen die Unternehmensgruppe vorangebracht werden soll. "Franz Haniel hat 30 Jahre gebraucht, um die erste Fettkohle nach oben zu bringen. So viel Zeit haben wir heute nicht", macht der aktuelle Haniel-Chef Stephan Gemkow deutlich. Schacht One soll daher "ein Beschleuniger für die ganze Haniel-Gruppe" sein, so Gemkow.

Gemeinsam mit der Digitalberatung Etventure sollen die Mitarbeiter beispielsweise überlegen, wie sich neue digitale Geschäftsmodelle um das bisherige Kerngeschäft entwickeln lassen - zum Beispiel durch die Auswertung von Daten.

Für NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) ist die Entscheidung von Haniel für die Zeche Zollverein ein kleiner Erfolg. Die Landesregierung hat sich die Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben, musste jedoch zuletzt immer wieder erleben, wie NRW-Unternehmen wie Bayer, Metro, Telekom oder auch Klöckner & Co. Digital-Programme in Berlin starteten. "Ich bin froh, dass sich Haniel für diesen Standort entschieden hat und so dazu beiträgt, NRW nach vorne zu bringen", sagt Duin daher auch. "In gar nicht allzu ferner Zeit werden wir auf diesen Tag zurückblicken und sagen: Das ist der Tag, an dem sich in NRW etwas verändert hat."

Erste Tendenzen gibt es bereits: Auch der Düsseldorfer Maschinenbauer SMS Group startet eine Art Start-up im eigenen Haus, um das Kerngeschäft zu digitalisieren. Am Freitag wurde die neue Gesellschaft beim Notar offiziell gegründet, im Juni sollen die Räumlichkeiten in den Düsseldorfer Schwanenhöfen eröffnet werden. Das Unternehmen lässt sich dabei ebenso von Etventure beraten. Ein Selbstläufer wird die Digitalisierung von NRW damit jedoch nicht. Kein Unternehmen bleibt aus Sentimentalität an Rhein und Ruhr.

Auch bei Haniel spielte man zeitweise mit dem Gedanken, "Schacht One" in Berlin anzusiedeln. Dass die Entscheidung doch auf NRW fiel, war am Ende auch etwas glücklich, weil auf dem Gelände der Zeche Zollverein zufällig Räumlichkeiten frei waren - und diese auch ans Glasfasernetz angeschlossen sind. Am Ende brauchen eben auch Bits und Bytes eine physische Infrastruktur, das weiß auch Duin.

Quelle: RP
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