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Essen
Der Architekt des Kohleausstiegs

Essen. Werner Müller wird heute 70 und hat als Patriarch des Reviers noch viel vor. Von Antje Höning

Manager denken in Quartalen, Werner Müller muss als Chef der RAG-Stiftung für die Ewigkeit planen. Die Stiftung kommt nach 2018, wenn die letzte deutsche Zeche schließt, für die Ewigkeitslasten des Bergbaus auf und sorgt dafür, dass die Gruben in Ruhrgebiet und Saarland nicht voll Wasser laufen. "Wenn wir nichts tun, liegt künftig der Hauptbahnhof Essen unter Wasser", sagt Müller. Das will keiner, Müller schon gar nicht. Essen ist seine Heimatstadt und er selbst der Architekt des Kohleausstiegs.

2006 schrieb er das kühne Drehbuch für den Ausstieg aus der subventionierten Kohle-Förderung. Er teilte den Mischkonzern RAG auf in einen weißen Bereich (heute Evonik) und einen schwarzen. So wird die Evonik von der Haftung für die Kohle freigehalten und kann mit ihren Erträgen die Ewigkeitskosten finanzieren. Müller beendete ein teures Kapitel der Wirtschaftsgeschichte und langjährigen Streit. Zugleich sorgte er dafür, dass kein Bergmann entlassen wird. Eine Branche, die einst 500.000 Beschäftigte hatte, stellt würdig den Betrieb ein.

Müller war stets Wanderer zwischen den Welten: Der Linguist und Volkswirt hatte als Manager bei RWE angefangen, wo er als eigenständiger Denker rasch aneckte. Von 1998 bis 2002 war er parteiloser Bundeswirtschaftsminister in der Regierung Schröder und handelte den Atomausstieg aus. Nachdem Oskar Lafontaine überraschend zurückgetreten war, wurde er kommissarisch auch Finanzminister.

Müller ist gelassen, politisch geschickt und bis heute bestens verdrahtet. Lange hatte sein politischer Gegner Jürgen Rüttgers seinen Wechsel an die Spitze der RAG-Stiftung blockiert. 2012 setzte sich Müller dennoch durch. Heute wird er 70 Jahre, was außer dem weißen Haar nichts verrät. Beim Bergwandern hält er sich fit, auch heute ist er in den Schweizer Alpen. Für eine zweite Amtszeit als Stiftungs-Chef bis 2023 steht er bereit. Nach dem Tod von Krupp-Legende Beitz ist Müller der Patriarch des Reviers.

Quelle: RP
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