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Ingolstadt
Der Audi-Chef sucht nach Stabilität

Ingolstadt. In den Verhandlungen mit den US-Behörden ist der VW-Tochter offenbar ein Durchbruch gelungen. Für den Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler käme der Erfolg zur richtigen Zeit. Ein potenzieller Nachfolger winkte bereits ab. Von Florian Rinke

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Audi-Chef Rupert Stadler als einer der Top-Kandidaten für den Chefposten im Volkswagen-Konzern. Die Voraussetzungen schienen ideal: Der Bayer galt als ein Liebling von Patriarch Ferdinand Piëch, die Konzern-Tochter Audi fuhr Milliarden-Gewinne ein, von denen andere Marken im VW-Reich nur träumen konnten - und auch Stadlers Vita schien wie gemacht für höhere Weihen: Schon sein Vater fuhr einen VW-Käfer, dann einen Audi 100 und als der Sohn sein erstes Auto mit dem Geld, das er beim Hopfenzupfen und auf dem Bau verdient hatte, kaufen wollte, wurde daraus am Ende natürlich ein weinrotes VW-Golf-Cabrio. Kurzum: Es war das perfekte Drehbuch.

Dann kam der Abgas-Skandal. Und seitdem wird Kapitel für Kapitel der Geschichte neu geschrieben. Stadlers Image bekam dabei Kratzer. Der Hoffnungsträger, der schon rund zehn Jahre an der Audi-Spitze steht, geriet plötzlich selbst in den Fokus. Hatte er etwas gewusst? Und wenn nicht, warum hat er seinen Laden nicht im Griff? Es waren unangenehme Fragen, mit denen der 53-Jährige konfrontiert wurde.

Die Arbeitstage seien intensiver geworden, sagte Stadler vor einigen Wochen im Gespräch lapidar. Warum, wird schnell klar, wenn man sich die Situation anschaut:

Einerseits sind da die Probleme in den USA, für die es monatelang keine Lösung gab. Nachdem es Volkswagen gelungen war, eine Einigung mit den US-Behörden zu erzielen, stand die bei den 3,0-Liter-Motoren weiter aus - und dafür war Audi verantwortlich. Dadurch erhöhte sich auch der Druck auf Stadler. Immerhin scheint dort nun ein Durchbruch gelungen zu sein - zu welchem Preis, ist noch nicht bekannt. Klar ist nur, dass der VW-Konzern auch diesmal wieder manipulierte Fahrzeuge von Kunden zurückkaufen muss. Möglicherweise wird man Auto-Besitzern auch darüber hinaus eine Entschädigung zahlen müssen. Ein endgültiges Ergebnis könnte bei der nächsten Gerichtsanhörung in San Francisco am 30. November verkündet werden.

Und auch die Baustelle Entwicklungsvorstand konnte der Audi-Chef bislang nicht schließen - obwohl der angesichts der Herausforderungen durch die Elektromobilität und die Digitalisierung dringend gebraucht würde. Zunächst dürfte das auch so bleiben. Mit Ulrich Hackenberg und zuletzt Stefan Knirsch mussten innerhalb von zwei Jahren gleich zwei Entwicklungschefs wegen des Diesel-Skandals gehen. Die Neubesetzung fällt schwer: Ein externer Kandidat wird sich den Posten wohl kaum antun, solange der Abschlussbericht der US-Kanzlei Jones Day, die die Diesel-Affäre im VW-Konzern untersucht, noch nicht alle Schuldigen benannt hat.

In der Branche dürfte man sehr genau registriert haben, wie es VW-Markenvorstand Herbert Diess ergangen ist, der kaum drei Monate im Amt war und sich plötzlich mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn konfrontiert sah.

Gleichzeitig kann Stadler auch nicht ohne weiteres einen internen Kandidaten befördern - denn den eigenen Ingenieuren kann der Betriebswirt nur noch bedingt trauen. Zu oft hatte er zuletzt von neuen Vorwürfen gegen die Entwicklungsabteilung lesen müssen. "Man sollte einen Fehler nicht zweimal machen", heißt es in Konzernkreisen. Knirsch soll sogar schriftlich versichert haben, nichts von Manipulationen gewusst zu haben - am Ende zeigte sich offenbar, dass er Jahre zuvor von Mitarbeitern informiert wurde.

Für Stadler ist es wichtig, wieder in die Offensive zu kommen. Zuletzt tauchten bereits Gerüchte auf, in denen es nicht um den Posten des Entwicklungschefs ging - sondern um seinen. Der "Spiegel" nannte als Favorit auf die Nachfolge unter anderem Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Der winkte nun jedoch ab: Sein Job sei spannend. "Wenn sich das mal ändern sollte, werde ich das twittern", sagte Neumann.

Quelle: RP
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