| 07.39 Uhr

Las
Der elektrische Bulli

Las. Auf der Technikmesse CES präsentiert Volkswagen eine Neuauflage seines Kultautos Bulli - Budd-e. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der Prototyp elektrisch und mit vielen technischen Spielereien ausgestattet, doch ein Problem bleibt. Von Florian Rinke

Vegas Er war der Liebling von Handwerkern und Hippies: der Bulli. 1950 verließ der erste Kastenwagen, T1 genannt, in Wolfsburg das Volkswagen-Werk, sein Nachfolger T2 wurde dann zum Symbol der Flower-Power-Bewegung. Make Love, not War - darum darf VW im Abgasskandal zwar bitten, aber kaum hoffen. Die US-Justiz geht gegen den Konzern vor, es drohen Milliardenklagen und teure Nachrüstaktionen (siehe unten). Umso wichtiger ist es, mal wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen. Zum Beispiel, indem man sich alter Sympathieträger wie dem Bulli bedient.

Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn hatte bereits 2014 angekündigt, dass es auch Elektroantriebe in der Nutzfahrzeugsparte geben soll, zu der auch das T-Modell zählt. Dass er die Präsentation nicht selbst vornehmen würde, schien damals noch völlig abwegig. Der VW-Boss galt schließlich als einer der mächtigsten Manager der Republik. VW strotzte vor Kraft, schickte sich gar an, die langjährigen Rivalen General Motors und Toyota als weltgrößte Autoproduzenten zu überholen.

Nun, bei der Präsentation der Elektroversion des Bulli, ist alles anders: Auf der Bühne bei der Technikmesse CES in Las Vegas steht Volkswagen-Markenchef Herbert Diess und entschuldigt sich für den Abgasskandal. Der neue Transporter, den Diess danach vorstellte, soll beitragen, VWs Ruf wieder herzustellen: Technische Innovationen statt Schummel-Software. Schon der Name ist eine Art kleines Friedensangebot an erboste Kunden. Budd-e heißt das Konzeptauto, ein Name, der sowohl auf das Kultauto "Bulli" wie auf den englischen Begriff "Buddy", also Kumpel, anspielt. Das passt, denn mehr als ein Auto waren der legendäre T1 und seine Nachfolger schon immer.

Galt der Bulli in seinen Anfängen noch als Transporter für Handwerker, Post und Polizei in der jungen, aufstrebenden Bundesrepublik, nutzten ihn später die Hippies für ihre Fahrten in Kalifornien oder ins indische Goa. Seitdem ist der Bulli nicht nur ein Fahrzeug. Er ist ein Lebensgefühl, steht für Abenteuer und Freiheit unter brennender Sonne.

Der legendäre Transporter ist Kult. Längst gibt es den heutigen Oldtimer nicht nur als Fahrzeug, sondern auch als Schlüsselanhänger, T-Shirt, Modellauto - oder Keks. Im vergangenen Jahr backte der Hannoveraner Traditionskonzern Bahlsen Kekse von elf Baureihen. Ein Jahr zuvor hatte eine Gruppe aus Bayern sogar eine 450 Kilogramm schwere Lebkuchen-Variante gefertigt.

In den VW-Fabriken ist die Fertigung hingegen längst ausgelaufen. 1950 war in Deutschland das erste Modell, der T1, vom Band gerollt. Er war etwas größer als der Käfer, musste aber mit ähnlicher Leistung auskommen: 25 PS und maximal 80 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeit. Ende der 1960er Jahre wurde er vom T2 abgelöst, dem Hippie-Bus, der viele Jahre danach noch in Brasilien gefertigt werden sollte. Nach weltweit mehr als 6,2 Millionen verkauften Fahrzeugen lief hier 2013 das letzte Modell vom Band, in Deutschland war bereits 1979 Schluss. Dann kam der Nachfolger, T3, auf den Markt - auch kompakt, aber weniger Kult.

In Las Vegas will VW nun an der Zukunft der Baureihe schreiben, zumindest ein bisschen. Der Prototyp des Budd-e soll an den legendären Bulli anknüpfen und doch völlig anders sein. Das Design erinnert nur noch entfernt an die T1-Version aus den 1950er Jahren. Der Antrieb: elektrisch und emissionsfrei. Die Lenkung: Schon jetzt ausgestattet mit berührungsempfindlichen Bedienungen, bald sogar per Geste zu steuern. Die Reichweite soll bei mehr als 500 Kilometern liegen. Aus dem Cockpit sollen Fahrer einen Blick in den heimischen Kühlschrank werfen können. Post-Pakete könnten zudem von Boten in einem Fach unter dem Kofferraum abgelegt werden. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte ein Auto auf Basis des Prototypen auf die Straße kommen, sagte VW-Manager Diess.

Manchen Hardcore-Fan dürfte das kaltlassen. Für sie tragen echte Bullis das Kürzel T1 oder T2. Der Motor sitzt bei diesen Typen noch hinten unter dem Laderaum. So bleibt mehr Platz für Passagiere. Budd-e kann da nicht mithalten: Er hat bislang nur vier Plätze.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Las: Der elektrische Bulli


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.